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dieses Buchs:
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Buch ist zur Zeit ausverkauft, und es ist aus
Kostengründen nicht daran gedacht, auf die Schnelle
einen Nachdruck zu starten . Stattdessen wird der Inhalt
in dem dritten noch erscheinenden Malerfilm übernommen,
so daß die hierunter folgend skizzierten absoluten
Weisheiten (Buchauszug aus Kapitel 1) keinesfalls
verloren gehen.
Mit
freundlichen Grüßen
Lienhard
Pallast
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Vorseite
art
edition Band 1

42 Seiten, Format DIN A 5,
Taschenbuchausgabe,
ISBN-Nummer 3-980940-8-1
8,00 EUR
beigefügt ist eine CD mit 18 Bilderscans in je einer
mittleren und einer sehr guten Auflösung
Herausgebender Verlag: Lienhard Pallast
Verlag, Stöckerfeld 7, 53773 Hennef
Kritiken
Jörn Bohr, Kunsthistoriker aus Leipzig, schrieb:
» ... Nehmen Sie es als Rezension, an deren Ende stehen
könnte, dem Buch sei eine weite Verbreitung zu
wünschen. ... Mit großem Vergnügen und Genugtuung habe
ich Ihre respektlose Denkschrift gelesen ... Ihre Schrift
ist in genau dem richtigen Ton gehalten
überzeichnend, um Ihre Botschaft um so prägnanter zu
übermitteln ... Was Sie gegen Kulturredakteure und
generell Schwafler vorbringen, die über
Kunst reden, statt sie kritisch zu besehen,
hat mich erfrischt ... Der zweite Teil des Buches, über
die Maltechnik, sowie die Bild-CD, haben mir als
Künstler bzw. Graphiker wertvolle Hinweise gegeben. ...
Seien Sie versichert, daß ich bei der Lektüre auch ab
und an laut gelacht habe!«
Inhaltsverzeichnis und Buchauszug
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Zu Frage 1
Zu Frage 2
Kapitel 2
Nachts sind alle Katzen grau
Je langsamer, desto Bild
Schlaf, Kindchen, schlaf
Der Kammerton als Grundton
Das Ende des Schreiens
Auf beiden Augen blind?
Zeit ist Geld
Das Gedächtnis und die Skizze
In welchen Geschäften haben die alten Meister
ihre Tubenfarben gekauft?
Kapitel 3
Es geht los mit dem Verrat
Die Malfläche
Wiederum: Je langsamer, desto Bild
a) Die Vorbereitung der Zeichnung
b) Dann werde ich zum Gewalttäter
c) Verölt und Verharzt
d) Für ganz Langsame und Konzentrationsschwache und
Unbegabte, wie ich einer bin: Es geht los mit der
Weißhöhung
e) Nochmal für ganz langsame und Konzentrationsschwache
und Unbegabte wie mich: Es geht los mit der Farbgebung
Farben, die ich verwende
Grundlage meiner Malerei sind zwei Wahlsprüche
Malersprüche
Erklärungen zu den Bildern der beigefügten Buch-CD:
Schlußbemerkungen
Endnoten
Hier folgt der Buchauszug aus
Kapitel 1 reichlich satirisch würden Unwissende
sagen, absolut wahrheitsgetreu meinen jedoch alle
informierten Realisten, Kenner und Aufrichtige
»Kapitel 1
Im Grunde genommen ist dieses Büchlein eine einzige
Hochstapelei, denn ich habe prinzipiell recht wenig
Ahnung, was altmeisterliche Malerei ist. Das Einzige, was
ich begriffen habe, ist, daß altmeisterliche Malerei
keine moderne Malkunst ist. Und was ist moderne Malkunst?
Erstens weiß ich auch dies nicht genau (wer weiß das
schon?) und zweitens gibt es relativ alte, mittelalte und
neue moderne Malkunst sowie die zeitgenössische
Malkunst. Wenn ich im Verlauf dieser Abhandlung auf den
Begriff »moderne Malkunst« zurückkomme, meine ich
gezielt die Gegenwartskunst, die als modern angesehen
wird. Bei dieser Vereinbarung will ich im Rahmen meiner
Abhandlung durchgehend bleiben.
In dieser Abhandlung werden die beiden Fragen
aufgeworfen, ob
1. altmeisterliche Malerei in unseren Zeiten moderner
Malkunst derzeit eine Überlebenschance hat, ggf.
überhaupt noch ernstgenommen werden kann und
2. ob wir überhaupt wissen, in welcher Maltechnik und in
welchem Malstil altmeisterlich gemalt wurde; ist das
Wissen der alten Meister noch präsent oder schon
wieder präsent?
Zu Frage 1
Ich habe berechtigte Hoffnung, nahe an der Beurteilung
der Frage, was moderne Malkunst der Gegenwart ist, dran
zu sein, denn alles, was funkelnagelneu zu sein scheint,
ist vermutlich moderne Kunst, die wie der alte »deus ex
machina« funktioniert. Ein modernes Kunstwerk entsteht
folglich maschinell, und ein Künstler, der was Neues
erfindet, kann sich wie automatisch (deus ex machina, ick
hör dir donnern) nicht mehr dagegen wehren, was
künstlerisch Wertvolles und Einmaliges geschaffen zu
haben. Ob das Kunstprodukt auch wirklich künstlerisch
wertvoll ist, wird nicht mehr überprüft, weil eine
Überprüfung nicht nur unnötig geworden ist, sondern
unmöglich. Und weil Neuartigkeit sowie Neuheit zu den
einzigen Kriterien der Gesamtbeurteilung geschrumpft
sind.
Wenn jemand seinen Wellensittich in Eigelb taucht und ihn
anschließend auf einer Malleinwand frei laufen läßt,
hat das direkt etwas mit moderner Malkunst zu tun, denn
es steht so von Kulturredakteuren ernsthaft
verbreitet in den Zeitungen, denn niemand hat
vorher versucht, einen Wellensittich in Eigelb zu tunken,
auf daß dieser male. Dem Erstversuch kommt hiermit eine
überragende Qualität zu, und die Erstausführung
entscheidet alleine und ganz alleine über die Qualität
von Kunst, nicht mehr das Kunstwerk selbst.
Wenn jemand eine Bildfläche in einer einzigen Farbe,
sagen wir Grau, streicht und darunter den Titel »grau«
vermerkt, hat er sofern es vorher noch keiner
getan hat ein Kunstwerk erschaffen, das ihn
berühmt machen kann. Nicht berüchtigt, das ist was
anderes, obwohl »berüchtigt« hier möglicherweise
passen würde. Vorausgesetzt, dieser Maler findet einen
Mäzen, der ihm sein Grauwerk für einen ordentlichen
Batzen Geld abkauft und somit für seine Popularität
sorgt. Auch ein Museum ist einem Mäzen vergleichbar,
denn »biste erst mal im Museum, denn haste ausjesorgt.«
Bedingung für das Entstehen von Gegenwartskunst ist also
immer, daß ein Mäzen Bimbes locker macht, und dann
können alle Aktien steigen; die Aktien des Künstlers,
des Mäzens, der Galerien, der Museumsdirektoren, der
Sammler, der Auktionshäuser und noch vieler anderer.
Dieses System funktioniert dank des Kapitaleinsatzes der
Mäzene und der sichtlich begrenzten Intelligenz von
Kulturredakteuren reibungslos.
Die systemimmanente Kapitalisierung von Kunstwerk-Werten
der Moderne wird erkennbar. Dieser etwas umständliche
Satz beinhaltet eine nackte Provokation, die längst
keine mehr ist: »Geld entscheidet über den Wert
moderner Kunstwerke. Sonst eigentlich nichts.«
Die systemimmanente Kapitalisierung von Kunstwerk-Werten
der Moderne könnte nur dann nicht reibungslos
funktionieren, gäbe es irgendwo Zeitgenossen, die
Zweifel am Unsinn dieser Mechanismen hätten, an den
Schaltstellen der Kritik säßen und den Mut
aufbrächten, mit Denken zu beginnen. Weil aber
Gegenwartskunst mit Denken nichts zu tun hat, wird es mit
dem Denken auch nie nichts werden.
Wer in Berlin eine Tonne aufstellt und die Abgeordneten
des Bundestags einlädt, je eine Tüte Heimaterde
mitzubringen, damit diese doch recht unbedeutende
Mischung aus Mineralien und Humus in dieser Tonne
öffentlichkeitswirksam versenkt werde, schafft ein
gegenwartmodernes Kunstwerk. Weshalb dies so ist? Ich
sagte es ja bereits: Vorher hat noch niemand etwas in
dieser Art getan. Und das ist völlig ausreichend,
nunmehr von einem Tonnen-Kunstwerk und von einer
künstlerischen Handlung zu reden.
Mittlerweile ist diese unterwürfige Haltung der Menschen
vor dem modernen Kunstbegriff derart in ihren devoten
Köpfen einbetoniert worden, daß es nicht mehr nötig
ist, darüber zu diskutieren oder Zweifel an der
Richtigkeit oder sogar Seriösität des Finanzsystems
»Systemimmanente Kapitalisierung von Kunstwerk-Werten
der Moderne« anzumelden. Jeder in unserer Gesellschaft
achtet wie selbstverständlich darauf, sein Gesicht nicht
zu verlieren, und das verliert man wie im Galopp, wenn
man moderner Kunst nicht höchsten Respekt zollt. Moderne
Gegenwartsmalerei ist ein Tummelplatz für alle
selbsternannten nichtsachverständigen Sachverständigen,
weil diese im Bereich der Kunst jetzt endlich mitreden
können, ohne zugeben zu müssen, keine Ahnung zu haben.
Was moderne Kunst zu sein hat, bestimmen in erster Linie
Fabrikanten, weil sie als Mäzene Bimbes locker machen
können, ohne gleich an den Bettelstab zu geraten. Jene
Fabrikanten nämlich, deren ursprünglicher und
selbstverständlich ganz vernünftiger Lebensinhalt
beispielsweise in erster Linie darin besteht,
gewinnbringend entweder Schokolade zu produzieren oder
Autozubehör oder Klosettdeckel.
Ich bin durchaus in der Lage, den leuchtenden
Gedankenreichtum meines gesamten vorstehenden Textes zu
reduzieren auf die Formel
"Wer den Bimbes hat, bestimmt, was heutige Kunst zu
sein hat. Nach dem Bimbes richten sich die Aktien der
Künstler, der Galeristen, der Museumsdirektoren, der
Sammler und der Auktionshäuser."
Mathematisch sieht meine Formel hierzu wie folgt aus:
KMW = Kq multipliziert
mit Bi8 multipliziert mit F9 multipliziert mit Mf10 multipliziert mit Kg11 multipliziert mit Z12
KMW = Kunst-Marktwert, der sich aus
einer mäzenatischen Förderung eines neuen Künstlers
ergibt, ausgedrückt in Euro
Kq = Künstlerische Qualität des ins
Auge gefaßten Malers, der zum Künstler erschaffen
werden soll
Bi = Bimbes, den der Fabrikant (Schokolade,
Autozubehör und Klosettdeckel) zur Kunstszenebildung
einsetzt
F = Fähigkeit des Malers, beurteilt durch
den Fabrikanten
Mf = malerische Fähigkeiten des
Fabrikanten
Kg = Persönlicher Kunstgeschmack
des Fabrikanten
Z = Zahl der Kunstausstellungen, die der ins
Auge gefaßte Maler bisher in Altersheimen,
Krankenhäusern, Heil- und Pflegeanstalten, Sparkassen,
Bundeswehrkasernen, Zuchtbullenversteigerungshallen und
Finanzämtern hatte
Je höher KMW ist, desto höhere Verkaufspreise erzielt
der Maler noch zu seinen Lebzeiten (der ist nicht an der
Zeit nach seinem Tod interessiert) und desto höher
steigen die Aktien der Fabrikanten (Schokolade,
Autozubehör und Klosettdeckel) mit dem Bimbes, der
Künstler, der Galerien, der Museumsdirektoren, der
Sammler und der Auktionshäuser.
Aber auch dieser Vergleich hinkt ein wenig. Sehen wir mal
auf sogenannte Galerien, deren Namen ich aus Gründen der
Diskretion zu verschweigen verpflichtet bin. Die
Galeristen jener Galerien verkaufen auch und vor allem
Produkte jener Kleckser, die im Fließbandverfahren
Zigeunerinnen, alte Seebären mit schmauchender Pfeife,
pralle Segelschiffe, von Blumen überquellende Wiesen mit
Bäumen und Bächlein und Rehlein und Zwergen sowie
sonstige Alpenlandschaften mit garantiert echtem
Alpenglühen malen (der Maler erschafft mindestens vier
absolut gleichaussehende oder leicht variierte
Lebenswerke pro Woche) und für nicht allzuviel Geld
verkaufen. Auch an Fabrikanten, nicht aber an jene, die
an der Kunstszenebildung der Moderne interessiert sind;
diese soeben erwähnten Bilder bringen nicht das große
Geld, sondern nur das ganz kleine. Dafür interessiert
sich nicht der Mäzen mit dem hehren Ziel der
Kunstszenebildung.
Künstler unserer Zeit haben sich also nach dem Geschmack
der Fabrikanten (Schokolade, Autozubehör und
Klosettdeckel) zu richten, Künstler vergangener Zeiten
hatten sich nach dem Geschmack der Fürsten, des Adels
und der hohen Geistlichkeit zu richten. So kam es
beispielsweise, daß aus dem Atelier des Rubens eine
Unmenge kitschiger Bilder stammen, die Rubens allem
Anschein nach nur gemalt hat, um finanziell gut über die
Runden zu kommen. Vom Rubens-Bild »Raub der Töchter des
Leukippos« sagten Spötter bereits: »Zwei Herren helfen
zwei halbbekleideten Damen aufs Pferd«. Sind
moderne Künstler ganz anders?
Wenn die Fabrikanten (Schokolade, Autozubehör und
Klosettdeckel) unserer Zeit ihr Mäzenatentum lange genug
getan haben, richten sich alle Menschen nach dem
Geschmack dieser Fabrikanten, nicht mehr nach dem der
Fürsten, des Adels und der hohen Geistlichkeit, denn
diese Zeiten sind vorbei. Die neuen Zeiten sind jedoch
inhaltlich genau so wie früher, denn das Verlangen nach
Kitsch in der Kunst läßt sich nicht einfach abstellen.
Stadtväter, die das Geld des Bürgers für die
öffentliche Kunst am Bau rausschmeißen, kaufen Kunst so
ein, wie sie künstlerisch begabt sind: Von keiner
Sachkunde beleckt und en masse. Redakteure von
Kultur-Zeitungsseiten, Rundfunk- und Fernseh-Sendungen
und sonstige am Kunstwesen beteiligte Zeitgenossen tun
so, als gäbe es das Märchen »Des Kaisers neue
Kleider« nicht oder nicht mehr oder noch nicht. Wer
dieses Märchen im Leben anzuwenden nicht bereit ist,
verschwindet als ernstzunehmender Kunstsachverständiger
plötzlichst von der Bildfläche. Beerdigt Klasse vier.
Um darzustellen, wie weit sich unsere Redakteure im
System der Vermarktung moderner Gegenwartskunst
verheddert haben, zitiere ich den Kölner Stadt-Anzeiger
vom 9. März 2000:
Global Art in Duisburg
Die Wege der Welt
Zum Abschluss Werke von Abraham David Christian
Autorin: Amine Haase
»Zwischen Erinnern und Vergessen weitet sich der Kosmos
dieser Kunst. Sie ist Zeugnis eines Nomadendaseins, das
die Innenwelten seines Erfinders zwischen den
unterschiedlichen Vergangenheits-Formen auslotet, und das
die Außenwelten zwischen den verschiedenen
Gegenwartsexistenzen dokumentiert. ... Er schafft seinen
Kosmos aus dem, was er auf seinem Wege findet; er
erfindet die Sprache, um uns diesen neuen Kosmos zu
vermitteln; er spielt mit den Zeichen wie ein Kind und
verankert so das Neue fest mit der Vergangenheit. Seine
Welt ist im bester künstlerischer Tradition
eine, in der der Himmel nur aus Konvention
Blau ist. Das Ritual der Kunst, der Kultur
generell, wird respektiert um es neu zu erfinden.
... Es sind die Zeichnungen, die der Präsentation ihren
realen Grund geben. Ein Flimmern zwischen Irrealem und
Realem, zwischen einem traumwandlerisch sicheren
Konstruieren der Erinnerung und einem bewußt betriebenen
ganz konkreten Vergessen kennzeichnet also nicht nur die
Arbeiten selber, sondern ihre Zusammenschau in der von
Christoph Brockhaus betreuten Duisburger Ausstellung. Wir
müssen uns in diesen Kosmos erst einleben.«

Bildzitat: Das zugehörige Bild trägt den Namen
»Bronx«, 1984, Grafitfarbe auf Papier:
Zu Frage 2
Um meine bisherigen Ausführungen zu erweitern, denke ich
an meine Schulzeit zurück. Erich Weiß, Gründer und
langjähriger Leiter des deutschen Hermann-Hesse-Archivs,
ein sehr belesener Mann, war mein Klassenlehrer in der
Realschule. Er liebte alte und moderne Kunst und gab mir
einst den Auftrag, vor meiner Schulklasse stehend das
Bild »Kaufmann Gisze« von Holbein dem Jüngeren zu
besprechen, dessen Farbdruck er an der Schultafel
befestigt hatte. Ich geriet in größte Nöte, denn ich
wollte wirklich erklären, was die Schönheit der Malerei
ausmachte, wie der Maler das Bild in seiner persönlichen
Maltechnik aufgebaut hatte, welche maltechnischen
Besonderheiten zu erkennen waren, und vor allem, aus
welchem Grund dieses Bild einen so harmonischen Eindruck
machte. Aber das konnte ich nicht. Denn ich hatte nicht
gelernt, altmeisterlich zu malen und wußte nichts, aber
auch gar nichts um die Geheimnisse der alten Meister.
Erich Weiß wußte aber auch nichts, was ich daran
bemerkte, daß er mich beinahe wütend auf meinen Platz
zurückschickte und die Angelegenheit der Bilderklärung
selbst in die Hand nahm und zur Chefsache erklärte. Die
Erklärung nahm dann folgenden Lauf:
»Links ober seht ihr auf dem Regal das ... , rechts oben
auf dem Regal dies ... , in der Mitte seht ihr diese
Hintergrundfarbe der Bretterwand, und unten auf der
Tischdecke das und dies und jenes. Das da oben auf dem
Bild wurde damals im täglichen Leben für folgendes
benötigt: ... Das da links hat die Farbe Rot ... , das
da die Farbe Gelb ... « Anschließend drehte sich Erich
Weiß zufrieden wieder der Klasse zu und fragte, ob
jemand noch eine Frage hatte. Keiner hatte.
Heutzutage gehe ich gern in mein lokales Museum in Köln,
das Wallraff-Richarz-Museum, und studiere immer wieder
die alten Meister, denn davon kann kein strebsamer Maler
genug kriegen. Ich treffe auch auf viele begeisterte und
nichtbegeisterte Lehrer, die ihre Schäflein um sich
scharen und Bilderklärungen starten. Was sie tun, ist
immer noch das bewährte Erich-Weiß-Erklär-Machwerk,
aber die Lehrer sind heute viel gebildeter als früher,
denn sie beenden ihre Bildbesprechungen sehr früh und
gehen möglichst schnell zur gesamten Kunstgeschichte der
Malerei über, denn da sind sie ja Zuhause; sie fummeln
in ihrem anstudierten Gedächtnisgehirn herum und holen
alles heraus, was sie im Studium über Kunstgeschichte im
engeren und weiteren und weitesten Sinne erlernt haben.
So werden Schulklassen schnell ermüdet, denn nicht nur
Herumstehen strengt an, sondern Langweiliges schläfert
zuverlässig ein. Und was altmeisterliches Malen wirklich
umfaßt, lernt kein Schüler, weil es noch nicht einmal
die Lehrer lehren können, denn sie haben es ja auch
nicht gelernt.
Darf ich Erich Weiß und die Schar der bemühten Lehrer
tadeln? Nein! Denn sie können nicht anders. Denn es gibt
ein absolutes Hindernis, das ich in dieser erlauchten
Darstellung wie folgt in Form von Beispielen erklären
kann und darf:
Wer Mathematiklehrer werden will, muß rechnen können.
Wer Deutschlehrer werden will, muß schreiben können.
Wer Sportlehrer werden will, muß laufen und springen
können. Der Biologielehrer kann mit dem Mikroskop
exzellent umgehen, und dem Chemielehrer gelingen die
Versuche (meist!), die er sogar im Detail formelmäßig
und stöchiometrisch ganz genau erklären kann.
Aber die Kunstlehrer? Sie können nur reden, reden,
reden. Wie die Redakteure der Kulturseiten, von denen ich
ja soeben eine Kostprobe zitiert habe. Obwohl ich nicht
genau weiß, ob die eben zitierte Redakteurin Amine Haase
durch einen Kunstlehrer noch übertroffen werden kann.
Alle reden und fabulieren und schwätzen. Über die
Kunstgeschichte. Und das Leben der Maler. Und das Blau
des Himmels, das sie mühelos herunterzuholen wissen.
Aber sie wissen fast nichts über Maltechniken, und sie
selbst können kaum naturalistisch malen. Sie wissen erst
recht nichts über altmeisterliche Maltechniken und
Malweisen.
Aber sie geben Kindern erbarmungslos Aquarellmalkästen
in die Hände, weil die ja für einen Appel und ein Ei im
Laden zu haben sind, und verderben aus diesem Grund sogar
bei den malerisch Begabten die Freude am Malenlernen,
denn nirgendwo gibt es eine noch schwierigere Technik als
die des Aquarellierens. Das sieht geradezu nach
Kindesmißbrauch aus, wird aber nach dem deutschen StGB
nicht bestraft. Es ist so, als würde ein Kunstlehrer
Viertklässler auffordern, die Hundertmeterstrecke nach
einem leichten Vortraining in weniger als 10 Sekunden zu
laufen.
Was in Volkshochschulen usw. in künstlerischer
Massenspeisung zustandegebracht wird, finden die Menschen
auch noch sehr schön. Gut, daß es das Wort »schön«
gibt, denn hinter ihm lassen sich sämtliche kitschigen
und unvollkommenen Volkshochschul-Aquarell-Machwerke
verstecken. Die Volksseele ist nunmehr nicht mehr zu
bremsen und wässert Legionen von Aquarell-Papieren,
streicht, kratzt aus, radiert und überklebt, übermalt,
verbessert, wirft aber nichts weg, was einmal entstanden
ist. Wer sich darüber sehr freut, sind die Schullehrer
(»die Kinder haben jetzt was Nützliches zu tun, ach wie
hübsch, und die Schulkunststunde ist gerettet«), die
Leiter von Volkshochschulen nebst Dozenten und ganz
besonders Fabrikanten von Malzubehör und erst recht der
Kunstbedarfseinzel- und -großhandel für Bildträger,
Farben, Malgeräte, Mal-Utensilien und Bilderrahmen. Und
weil die Schülerinnen und Schüler von
Volkshochschulkursen in aller Kürze keine einzige
Wandfläche Zuhause mehr frei haben, die sie mit ihren
Aquarellkunstwerken flächenmäßig noch nicht versteckt
haben, müssen Oma und Opa und andere leidgeprüfte
Mitmenschen solche Kunstwerke mit allen extraordinären
Dankesausbrüchen, derer sie überhaupt fähig sind,
entgegennehmen.
Immer noch läßt mir meine eingangs getroffene
Feststellung, ich wüßte nicht so recht, was
altmeisterliche Malerei ist, keine Ruhe. Ich versuche, zu
weiterhin zu klären.
Altmeisterlich ist beispielsweise das, was Rubens gemalt
hat.
Na, ist das nicht ein prima Satz? Wer will mir
widersprechen und behaupten, Rubens sei keiner gewesen,
der altmeisterlich malen konnte? Auf dieser vorbereiteten
Unterlage ruhe ich mich erst einmal wie auf einem sanften
Ruhekissen aus und brauche nur noch nachzuschlagen, was
die Autoren von Kunstbüchern und Redakteure von
Kulturseiten des Kölner Stadt-Anzeigers oder vom
Rundfunk oder vom Fernsehen über Rubens schreiben, wenn
dieser ihnen zwischen die Finger gerät. So, wie er ihnen
zwischen die Finger gerät, schreiben sie auch. Nämlich
allgemein gnadenlos frei von Fachwissen über alte
Maltechniken und Malweisen.
Wenn Autoren und Redakteuren eine andere Aufgabe zuteil
wird, nämlich über einen Künstler der heutigen Zeit zu
schreiben, sorgen sie zuerst dafür, daß ihnen die
Kataloge der Museen und Kunstauktionen zwischen die
Finger geraten. Dort ist nämlich vermerkt, welcher
Fabrikant (Schokolade, Autozubehör und Klosettdeckel)
welche Bilder (sie heißen jetzt Exponate) angekauft,
gestiftet oder zumindest als Dauerleihgabe gespendet hat.
Zusätzlich kann man bei den leitenden Persönlichkeiten
der städtischen, provinziellen und ländlichen
Kunstvereine und »Initiativen Kunst« anfragen und
bekommt, sofern man sich geschickt verhält und sich erst
einmal ganz dumm stellt, die allgemeine Kunstmeinung der
jeweiligen Kunst-Gegenwartszenen-Koryphäen.
Derart gerüstet läßt sich prima schreiben und
fabulieren und reden und dichten und phantasieren und in
den Wolken schweben und himmelhoch jauchzen, gelegentlich
auch sofern man ganz mutig bis übermütig ist
auch gegen die finanzielle Entscheidung der
Fabrikanten (Schokolade, Autozubehör und Klosettdeckel)
ganz leicht kritisieren, etwa in folgender Tonart: »Dies
Grün ist eigentlich ein Stich zu grün. Davon hätte der
sinngebende Künstler besser einen differenzierteren
Touch gegeben. Überhaupt kommen hier geistig-kulturelle
Responsibilität und Philosophie des Haptischen ein wenig
zu kurz.«.
Moderne Kunst muß folglich jetzt nur noch besprochen
werden, und wer am längsten und ausdauerndsten
bespricht, Vorträge, Fest- und Fensterreden hält,
festigt die gültigen Kunstmaßstäbe, die von den
Bimbes-Vorräten der Fabrikanten (Schokolade,
Autozubehör und Klosettdeckel) dankenswerterweise
ausgegangen waren.
Wer sich in diesem festgefügten System aufhält und die
erforderlichen Spielregeln beachtet, lebt nicht etwa in
einem Labyrinth, sondern weiß stets, wo er sich befindet
(bzw. sich zu befinden hat). Mir geht es leider nicht so,
denn ich weiß immer noch nicht so genau, was
altmeisterliche Malerei und moderne Kunst der Gegenwart
sind, darf aber nicht im Theoretisieren versacken,
sondern mache es den Kulturbeflissenen nach und stürze
mich auf die Bücher. Allerdings auf andere als jene, die
zum reinen Phantasieren mangels Wissen gebraucht werden.
Im Jahr 1965 kam mir der Zufall zur Hilfe. Denn mir wurde
von einem Maler »Der Doerner« empfohlen. »Der
Doerner« war damals noch unangefochten das zentrale
Lehrbuch all jener, die sich die Mühe machten, hinter
die Geheimnisse altmeisterlicher Maltechniken und
Malweisen zu kommen. Mittlerweile weiß ich, daß Doerner
sich in wichtigen Punkten ganz fürchterlich geirrt hat,
aber »Der Doerner« war jahrzehntelang die einzige,
wirklich brauchbare Bibel aller Suchenden und ist sie
beinahe auch heute noch. Und was spricht eigentlich gegen
das doernersche Forschungsprinzip »Versuch und Irrtum«?
Dieses Prinzip ist gegenwärtig in der gesamten
Computerprogrammierung ein fester Arbeitsbestandteil, und
aus welchem Grund soll es den Suchenden unter den Malern
besser gehen als den Anwendern von Microsoftprodukten,
die den Computer regelmäßig animieren,
hängenzubleiben, so daß man geneigt ist, beim
zwanzigsten Absturz des Tages mit dem Hammer
dreinzuschlagen?
Doerner war für mich 1965 der Anlaß, meine gesamte
Malweise zu überprüfen und dann konsequent an den Nagel
zu hängen. Denn ich wurde ein überzeugter Jünger jener
Malweise, die nicht modern ist, sondern von vielen
normalbegabten Menschen »naturalistisch« oder
«gegenständlich« genannt wird. Naturalistisch malt
einer, der Perspektive, Form (einschließlich
Beleuchtung) und Farbe der dreidimensionalen Umwelt auf
eine zweidimensionale Bildebene umsetzt. Aber derart
geschickt, daß es »wie dreidimensional aussieht«. Also
ist jeder Maler altmeisterlicher Malweise ein
Roßtäuscher. Ich weiß das und darf das öffentlich
behaupten, denn auch ich bin ja einer.
Aber seien wir mal ehrlich, ist der gegenwarts-moderne
Maler kein Roßtäuscher? Nein, der ist, wenn ich genauer
hinschaue, eigentlich kein Roßtäuscher, vielmehr ein
Kleiderverkäufer. Der »des Kaisers neue Kleider«
schneidert und verkauft. Verkauft, sofern er anfangs
einen Fabrikanten findet (Schokolade, Autozubehör und
Klosettdeckel), der mit dem Ankauf beginnt, weil sein
Faktor Mf (= malerische Fähigkeiten des Fabrikanten) und
Kg (= persönlicher Kunst-Geschmack des Fabrikanten) dies
ungebremst ermöglichen und somit für einen
Künstlerkarrierestart sorgen. Nach dem Start geht dann
alles wie von alleine.
Nun muß ich innehalten und nachfragen, worüber ich
eigentlich schreiben will. Ach ja, es war das Thema
»Altmeisterlich malen geht das überhaupt noch?«
Klar, ja doch, es geht noch und es geht nicht mehr.
Es geht noch, weil kluge Professoren rausgekriegt haben,
wie die Maler vor 500 Jahren oder 200 Jahren gemalt
haben.
Es geht nicht mehr, weil der hauptberufliche Maler, der
über kein weiteres Nebeneinkommen verfügt und sich
naiverweise traut, altmeisterlich zu malen, spätestens
nach drei Wochen verhungert und verdurstet ist. Es sei
denn, er geht erfolgreich betteln.
Denn er wird seine in altmeisterlicher Weise gemalten
Bilder niemandem verkaufen können. Die Sammler,
Museumsleiter und Fabrikanten (Schokolade, Autozubehör
und Klosettdeckel) haben ganze Arbeit geleistet und
würden sich ja auch totlachen, käme »ein Fossil von
Kunstmaler alter Schule daher«. Wer heute eine andere
Ansicht vertritt als die der Fabrikanten (Schokolade,
Autozubehör und Klosettdeckel), kann nicht mehr ernst
genommen werden, sonst würden die Finanzgebäude des
internationalen Kunstmarktes derart fürchterlich
zusammenkrachen, daß schon das Nachdenken darüber den
Leuten mit dem Bimbes den blanken Angstschweiß auf die
Stirn triebe. ... «
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