
Auszüge aus dem Vorwort:
» ... In dem kleinen, lauschigen Postamt
Hermülheim bei Köln, in dem ich mich am 15. April 1952
als Anfänger mit 15 Lebensjahren zum Dienstantritt
vorstellte, gab es beispielsweise
noch eine leicht angerostete, jedoch dienstlich
notwendige Dezimalwaage mit geeichten Eisengewichten für
die offizielle Paketannahme (Sensation: 2 Monate später
hatte sie ausgedient);
wettergegerbte Landbriefträger, die auf ihren
Fahrrädern neben ihrer Briefpost sämtliche Pakete auf
der Lenkstange und gottweißwie mitnehmen mußten (die
Polizei hat auf der Straße immer weggesehen, auch und
erst recht, wenn ich als Landbriefträger unterwegs
war!);
Betriebsfeste, auf denen Kollegen auf der Geige kratzten,
senile Gedichte vortrugen oder im knödelnden Tenor
sangen und bei der dankbaren Postbeamtenschar krachenden
Applaus ernteten;
den Amtsvorsteher Oberpostmeister Klemm, der im Dachboden
des Postamts Hermülheim ganz offiziell seine
umfangreiche Taubenschar hielt;
den alten Postbetriebswart Löhrer, für den ich im Laden
um die Ecke täglich 3 Spottjlocke kaufen mußte (das
waren Zigarren Marke »Sportglocken«);
auszutragende Glückwunschtelegramme für
Hochzeitsgesellschaften (die mich als Telegrammboten
gelegentlich nicht vor 24 Uhr entließen, denn Mitfeiern
und vor allem standesgemäßes Trinken war für eine
Respektsperson von Telegrammboten im Landzustellbereich
absolute Pflicht!);
nicht zu vergessen Orts-Briefträger Kippels Köbes (ein
wirklich vorzüglicher Amateur-Tenor, der
Hochzeitsgesellschaften und Kegelklubs unterhielt,
natürlich auch auf Postamtsbetriebsfesten auftrat) und
derart viele richtige Originale, daß es eine Freude war,
zur großen Postfamilie gehören zu dürfen. ...
Blinzeln Sie ruhig einmal mit. Aber seien Sie
vorsichtig! Möglicherweise haben Sie von der Post bisher
ein falsches Bild gehabt. Ich rücke es Ihnen zurecht.
Ich lasse es Ihnen von der Wand fallen. Die Post war in
Wirklichkeit ganz anders, als sogar die vielen
Postbeamten meinen. Und damit Sie es alle wissen, habe
ich ein paar seriöse Tatsachenberichte geschrieben, von
denen Unwissende behaupten, es seien Satiren. Anfangs
hatte ich wirklich vor, ordentlich zu übertreiben.
Übertreibungen liegen mir aber nicht. Also blieb ich bei
der Wahrheit, denn mit der Wahrheit sind wir wackeren
Postbeamten immer gut gefahren, und wir wollen uns auch
nicht zum Nachteil verändern. ... «
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1000 Büroklammern sind 1000 Bürauklammern
Leseprobe:
Flucht nach Dienstvorschrift
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