Buch Militaerseelsorge
Die zweite Kreuzigung Jesu?
Hier: Leseproben

Militärseelsorge, Soldatenverdummung, Töten, Moral, Bibelkritik, Kirchenkritik, Religionskritik, Bundeswehr, Militär, Christentum, Bergpredigt, Soldatenmissbrauch

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Leseprobe 1:

Inhaltsverzeichnis und Vorwort

Inhalt::

Vorwort
Kapitel 1
Was ist Militär?
Was ist Feindseite?
Der Standard des Kriegführens
Die praktische Realisierung der Kriegsführung in der Menschheitsgeschichte
Die Praxis der Kriegsführung in unserer Neuzeit
Bekannte Allgemeinplätze zur militärischen Moral
Die Aufrüstung der Armeen
Zur Motivation der Soldaten
Verfeinerungen und Vergröberungen der Motivationen
Gott über alles liebhaben
Kapitel 2
Betrachtungen über die moralischen Grundlagen der Militärseelsorger
Was ist ein Militärseelsorger?
Betrachtungen über die gesetzlichen Grundlagen der Militärseelsorger
Betrachtungen über die religiösen Grundlagen der Militärseelsorger
Das Alte und Neue Testament (AT und NT) sind die unmittelbaren
religiösen Grundlagen der Militärseelsorger
Wie weit darf man gehen, um nach Moral und Unmoral im AT zu forschen?
Themen, die behandelt werden müssen, um Fragen nach der
moralischen Qualifikation des Lieben Gottes zu klären
1. Die Sintflut und in ihrem Gefolge die Vernichtung
des Lebens auf der Erde durch den Lieben Gott
(»die Vernichtungsmaschinerie der Nazis war dagegen
herzlich unvollkommen«)
2. Die Vernichtung Sodoms und Gomorras durch den Lieben
Gott (»Homosexualität wird zum erstenmal verteufelt und bestraft«)
3. Der Opferungstest Abraham/Isaak durch den Lieben Gott
(»die Erfindung des nützlichen Kadavergehorsams für staatliche
und kirchliche Obrigkeit«)
4. Menschenopfer, die der Liebe Gott als Hochheiliges
dankend entgegennahm, 3Mose27,28-29
(»Menschenopfer waren nicht erst der Azteken und Inkas Erfindung«)
5. Die erste Selektion der Geschichte auf des Lieben Gottes Befehl,
4Mose31,1 (»Selektion auf Verwendungsfähigkeit oder Vernichtung«)
6. Die religions-rassehygienischen Gesetze des
Lieben Gottes, 5Mose7,1 (»Hatte Hitlers "Mein Kampf"
hier einen anregenden alten Vorläufer?«)
7. Die vollständige Vernichtung ganzer Bevölkerungen auf des Lieben
Gottes Befehl, 5Mose13,13 (»Gefangene werden nicht gemacht!«)
8. Des Lieben Gottes Wehrpflichtige und seine
Kriegsführungsvorschriften 5Mose20,1
(»Hitlers Generäle hätten ihre Freude am Lieben Gott gehabt?«)
Kapitel 3
Die gegensätzliche Auffassung des Jesus von Nazareth zu Gottes
biblischer Gewalttätigkeit und Barbarei, enthalten in Bergpredigt
und Feldpredigt (»Jesus schuf und verehrte einen ganz anderen
Gott als den Lieben Gott der Bibel !«)
Einleitung
Existierten Strafrecht und Barbarei im vorderasiatischen Bereich schon
vor der göttlichen Gesetzgebung in den Büchern Mose der Bibel?
Zu Beginn: Nähere Beschreibung von Strafen, die in
Vorläufergesetzen sowie im AT (Gottes Gesetze) angedroht werden
Beispiele I: Grundsätze der Vergeltung bei Körperverletzungen
unterschiedlichster Art
Beispiele II: Grundsätzliche Regelungen zur Ehe:
Beispiele III: Grundsätzliche Regelungen bei Ehescheidungen
Beispiele IV: Garantie der besonderen Stellung der Eltern im
Familienver-band als schutzbedürftige Kleinstlebensgemeinschaft
Beispiele V: Besonders barbarische Regelungen
Und nun Schlußfolgerungen aus Jesu Predigen und Leiden
Jesus stand zum Lieben Gott des AT im direktem Gegensatz
und war des Lieben Gottes Gegner
Einige Betrachtungen über Jesu Logien
Schlußbemerkung und Zusammenfassung zu diesem Kapitel
Kapitel 4
Und was sagt das Soldatengebetbuch nach 1945 zu christlichen
Moralgrundsätzen? Haben die Kirchen aus ihren schwerwiegenden
Fehlern der Zeit des Nationalsozialismus gelernt?
Vorab-Untersuchungen
Alles wichtige, was der christliche Soldat braucht,
steht im Soldatengebetbuch?
Kapitel 5
Und zu guter Letzt: Christentum und Militärseelsorge
aus den Kommödienstadl
Ein abschließendes Wort zum Thema
Vergeben, Verzeihen und Verzichten
Nachwort
Endnoten

Vorwort

Am 6. März 1940 schrieb Gustav Psyrembel, der sich als Christ im ursprünglichen Sinne der Bergpredigt verstand und deshalb den Kriegsdienst verweigert hatte, im letzten Brief an seine Mutter (hier ausschnittsweise zitiert aus »Kriegsdienstverweigerung im Dritten Reich, Albrecht und Heidi Hartmann, 1986 Frankfurt, Haag & Herchen Verlag«):
» ... Liebe Mama, ich hatte Dir in meinem letzten Brief schon mitgeteilt, daß ich vor dem Termin stehe. Heute teile ich Dir mit, daß ich die Sache hinter mir habe. Es war kurz und verlief ruhig, denn ich habe mir keine falsche Hoffnung gemacht und war aufs Schlimmste gefaßt. Für mich gab es nur zwei Dinge, entweder bekennen oder verleugnen. Ich wurde gleich am Anfang darauf hingewiesen, daß ich mich vor keinem Kirchenkonzil befinde, um über religiöse Fragen zu entscheiden, sondern vor einem Kriegsgericht. Die Beweggründe meiner Tat und meine Überzeugung wurden für irrig angesehen und abgelehnt. Nur das Vergehen und die Tat wurden in Betracht gezogen. Daß ich mich zeitweise dem Wehrdienst entzogen habe; die Weigerung, einen Gebrauch von der Waffe zu machen; die Weigerung, den Fahneneid zu leisten und den deutschen Gruß zu erweisen. Die schwerste Belastung ist ja die Nichtleistung des Fahneneids, darauf ruht die Todesstrafe. Ich hatte einen Rechtsanwalt als Verteidiger, der eine Freiheitsstrafe beantragte, doch dies wurde abgelehnt und die Todesstrafe über mich verhängt.«
Die nachfolgende Hinrichtung war das Ende von Gustav Psyrembel.
Gustav Psyrembel war in Reinkultur das, was zu Zeiten des Urchristentums ein »Christ« genannt wurde, ehe sich der Staat das Christentum unter den Nagel riß; das war 325 n. Chr. unter Konstantin dem Großen.
Ja, Gustav Psyrembel war ein richtiger »Urchrist«. Nicht mehr, nicht weniger. Die Urchristen lehnten jede Gewalt ab, selbstverständlich jeden Kriegsdienst. Noch nicht einmal öffentlichen Hinrichtungen durften sie beiwohnen. Wer sich als Taufbewerber vorstellte, aber als »Träger der Schwertgewalt« fungierte, wurde zurückgewiesen.
Wer heutzutage zum Militär geht – freiwillig, beruflich oder als Wehrpflichtiger –, ist also nicht mehr christlich im urchristlichen Sinne?
Oder überhaupt nicht christlich?
Aber was ist der jetzt?
Die verwirrendste Antwort auf diese Fragen geben die Militärseelsorger, denn auch sie geben vor, Christen aus echtem Schrot und Korn zu sein. Sie lehnen jedoch die Gewalt, die vom Militär ausgeht, nicht rundweg ab. »Militär muß sein, man muß sich doch wehren können!« Das höre ich immer wieder.
Militärseelsorger sagen, sie sorgen für die Seelen der Soldaten. Als nützlicher Nebeneffekt tritt ein, daß sorgenbefreite Soldaten viel besser kämpfen als sorgenbeladene; letztlich dient jede Militärseelsorge der Stärkung militärischer Kampfkraft. Niemand stellt dies in Zweifel. Ist das christlich?
Die Antwort auf die Frage, wer sich nun als Christ bezeichnen könne, muß ich nicht geben, denn sie wurde prinzipiell bereits vor 2000 Jahren durch einen Bauhilfsarbeiter erteilt. Der verstieg sich sogar zu einer Predigt auf dem Berg und predigte verbindlich Vergebung und Verzeihung anstelle von Vergeltung, Zurückschlagen und Gegenangriff. Das ist nachlesbar. Wort für Wort. Muß das ein Militärseelsorger aber nachlesen? Und wenn es eines Tages einen gibt, der nachliest, wird sein Verhalten sich dann ändern?
Unter anderem auch, weil er zu friedfertig und nonkonformistisch dachte, wurde der Bauhilfsarbeiter exekutiert. Am Kreuz. Die Militärseelsorge läßt generell keine Chance aus, diesen Bauhilfsarbeiter zum zweitenmal zu kreuzigen; denn Militärseelsorger greifen letztlich jenen erkennbar unter die Arme, die Vergeltung, Zurückschlagen und Gegenangriff gelernt haben oder darin mordsmäßig gut ausbilden.
Wer hat jetzt recht? Der religiöse Gustav Psyrembel? Dieser friedfertige und nonkonformistische Bauhilfsarbeiter mit seiner hundertemillionenfach nachgedruckten, aber praktisch unbekannten weil nie oder nie aufmerksam gelesenen Bergpredigt? Die gewaltlosen Ur-chri-sten? Die Militärseelsorger?
Warum eifern die Militärselsorger nicht ihrem Bauhilfsarbeiter konsequent nach?
Was ist das sensationell Neue und Ungewöhnliche am Christentum? War dieser Bauhilfsarbeiter nicht Jude wie alle seine Mitbürger?
Hatten die Juden ein anderes Verhältnis zur Gewalt?
Waren die Gebote der Bergpredigt anders als die mosaischen Gebote, die ausschließlich auf Gebote des Lieben Gottes zurückgingen?
Im folgenden erzähle ich von meinen Denkversuchen.

Hennef, im Juli 2000

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Tag der letzten Bearbeitung: 08.01.07