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Vorseite Leseprobe 2 (Text leicht gekürzt):
Kapitel 1
Grundlegende Betrachtungen
Was ist Militär?
Militär ist eine Zusammenballung von Menschen zum Zweck
der Kriegsführung gegen eine andere Zusammenballung von
Menschen, die sich auf der sogenannten »Feindseite«
mangels Denkvermögens zum gleichen Zweck zur Verfügung
stellen lassen.
Was ist Feindseite?
Feindseite ist immer die andere Seite, weil jede Seite
das so sagt.
Der Standard des Kriegführens
Heutzutage hat sich das standardisierte Kriegführen
gegenüber früher stark verändert, denn die modernen
Armeen führen nicht mehr Krieg nur gegen andere Armeen
der sogenannten Feindseite, sondern auch und ganz
besonders
a) gegen die gesamte schutzlose Zivilbevölkerung der
sogenannten Feindseite (die gezielte Bombardierung von
Menschen in ihren Städten fällt z. B. darunter) und
b) im Zeitalter der atomaren, chemischen und biologischen
Kriegswaffen gegen sämtliche Zivilbevölkerungen der
Erde. So wächst die sogenannte Feindseite grandios über
sich hinaus und wird unfreiwillig zur gesamten
Erd-Feindseite.
Eigentlich wird bei genauerem Hinsehen keine Seite
freiwillig zur Feindseite, aber Staat und Kirchen haben
seit Jahrhunderten zur selbstverständlichen Bildung von
Feindseiten derart zuverlässig beigetragen, daß wir
jedes eigenständige Nachdenken darüber längst
eingestellt haben.
Die praktische Realisierung der Kriegsführung
in der Menschheitsgeschichte
Jahrtausendelang hatten Feldherren ihre Armeen direkt
aufeinander prallen lassen, so daß sich
gewohnheitsmäßig ein Schlachtenkampfesgetümmel erhob.
Dieses Schlachtenkampfesgetümmel lief nach dem Prinzip
des Abschlachtes ab (der Name ist Synonym und taugt
hundertprozentig zur akkuraten Beschreibung der
ablaufenden Gemetzeltätigkeiten) und wurde je nach
Gesamtausgang wie folgt beendet:
a) Beide Armeen schlachteten sich derart ab, daß keiner
mehr übrigblieb. Dieser Endzustand ist jedoch mehr
theoretischer Natur, denn nach allen Gesetzen der
Wahrscheinlichkeits wird zumindest irgendeiner doch noch
übrig geblieben sein. Zu den Übriggebliebenen gehören
u. a. auch diejenigen Vernünftigen, die sich schlau
versteckt hielten, bis alles vorüber war. Sie wurden
aber im Fall des Erwischens als Fahnenflüchtige
bestraft, was zivilisierte Menschen hoher Kulturstufen
verwundert, denn es ist absolut unlogisch, daß
angewandte Klugheit bestraft wird. Sobald auch nur einer
übriggeblieben war, hatte die Armee, der dieser
angehörte, den Krieg gewonnen. Einer muß ja
schließlich gewinnen. Sonst hätte der Krieg ja auch
keinen Sinn gehabt. Und Kriege haben ja auch einen Sinn
zu haben! Oder? Antworten erhalten wir unaufgefordert von
den Waffenfabrikanten.
b) Beide Armeen schlachteten sich derart unvollkommen ab,
daß von einer dieser Armeen wesentlich mehr übrig blieb
als von der anderen und die dann den Krieg einwandfrei
gewonnen hatte. Die Feldherren der stark geschrumpften
unterlegenen Armeen haben diesen Zustand während des
Ablaufs des Schlachtens gelegentlich je nach
bescheidenem Ansatz aufkeimender Intelligenz
rechtzeitig erkannt und dann nach entsprechender Einsicht
aufgehört, abschlachten zu lassen. Das Ende des
Schlachtens können die einfachen Schlachtenbeteiligten
ja bedauerlicherweise nie selbst bestimmen (man hat den
einfachen Schlachtenbeteiligten, den Soldaten, keinerlei
Befehlsgewalt erteilt! Wo kämen die Feldherren da auch
hin!), so daß bei näherem Zusehen wirklich alles von
spektakulären Intelligenzschüben der Feldherren
abhängt. Der unterlegende Feldherr war also jener,
dessen Armee präzise formuliert im
Verhältnis zur anderen Armee nur noch die geringste
Menge an Überlebenden enthielt. Die Ehre des
unterlegenen Feldherren war nur dann gerettet, wenn
dieser pathetisch dem siegreichen Feldherren seinen Degen
überreichte. Damit blieb die Ehre beider Feldherren
fleckenrein für den nächsten Abschlachtvorgang
erhalten. Und so haben sie es immer gehalten.
c) Die Mitglieder beider Armeen fanden mitten in
Schlachtengeschehen zur Vernunft, jagten ihre Feldherren
zum Teufel, und verbrüderten sich. Dieses wunderbare
Ereignis ist, soweit ich weiß, bisher noch nicht
passiert vom braven Soldaten Schwejk Josef einmal
abgesehen was mich beflügelt, vom »einzig
denkbar vernünftigen Ausgang eines Kampfschlachtens« zu
sprechen. Schwejk Josef war übrigens ein »behördlich
anerkannter Idiot«, was die Vermutung aufblitzen läßt,
daß »Idioten« und »Militär« prinzipiell eng
zusammengehören. Nach Beendigung des Schlachtens
geschieht es gelegentlich, daß sich die ehemaligen
feindlichen Schlachtenbeteiligten zu einem Treffen
zusammenfinden. Und man kann im Fernsehen zusehen, wie
sehr sie sich anläßlich ihrer Treffen in aller
Herzlichkeit gegenseitig auf die Schulter klopfen. Das
will aber nichts zu sagen haben, denn das ist ja jetzt,
wo das Abschlachten vorbei ist, wirklich keine Kunst
mehr!
Ob auch noch andere Idioten in diese Sparte der
behördlich anerkannten Idioten hinzugerechnet werden
müssen, sollte irgendwann einmal untersucht werden.
d) Einer der beiden beteiligten Feldherren erkannte, daß
die Mitglieder der »Feindseite« zahlen- und
ausrüstungsmäßig derart überlegen waren, so daß es
sich wegen zu erwartenden hohen Material- und
Menschenverschleisses wirklich nicht lohnte,
aufeinandermarschieren und abschlachten zu lassen. Solche
Feldherren, denen man einen deutlichen aber
unerwarteten Anflug aufkeimender Intelligenz
bescheinigen könnte, habe ich bisher noch nicht in der
Menschheitsgeschichte entdeckt, was als erlesener
Anhaltspunkt für jede wissenschaftlich fundierte
Maßstabsetzung von Intelligenzquotienten in der
Feldherrensparte zu gelten hat.
e) Ein Unwetter beendete das Kampfschlachten (»Orkan
versenkt Armada«) und wirkte wie deus ex machina.
f) Eine Kirche, die sich nicht nur christlich nannte,
sondern auch christlich war, protestierte gegen das sich
abzeichnende Schlachten und verhinderte es erfolgreich.
Das ist nach meiner Kenntnis noch nie geschehen, und
sollte es irgendwann einmal eine wirklich christliche
Kirche geben, wird dieses kaum ausdenkbare Denkmodell
sicher schnellstens zur Realität werden!
Die Praxis der Kriegsführung in unserer Neuzeit
Die Praxis der Kriegsführung in unserer Zeit hat sich
verändert, denn der moderne Krieg kennt ja nicht mehr
das einfältige Abschlachten irgendwelcher
Primitiv-Zusammenballungen mit Spieß, Pfeil und Bogen
sowie Schwert und Schild, sondern mehr; beispielsweise
Elektronik für »intelligente« Waffen. Über die
moderne Militärtechnik brauche ich hier kein besonderes
Wort zu verlieren, denn die technischen
Kriegs-Gerätschaften sind hinlänglich volksbekannt und
reichen bis zu den Waffen in Form von elektronisch exakt
gesteuerten »intelligenten« Lenkraketen (»to fire and
to forget«), wobei sich gleich die rhetorische Frage
stellt, ob der Begriff »Idiotie« nunmehr auf den
Begriff der »Intelligenz von Waffen« ausgedehnt werden
muß.
Gut daß wir das Fernsehen haben, denn so erkennen wir
bequem im Fernsehsessel zur trauten Abendstunde bei einer
Flasche Bier und zartem Käsegebäck, daß das
Abschlachten von Zivilisten statt Soldaten mittlerweile
ein vernachlässigbarer Kollateralschaden ist, den unsere
modernen Feldherren nebst ihren Öbersten im Staat in all
ihrer spartanisch ausgeprägten Klarsicht hinnehmen. Wie
die Praxis im Kosovokrieg zeigte. So wurde im Kosovokrieg
der »Kollateralschaden« das beliebteste Wort vieler
Fernsehzuschauer, Stammtischstrategen,
Kaffeekränzchendamen und sich noch bewegender,
hochdekorierter Altkämpfer in Seniorenresidenzen. Ob die
GRÜNEN, die sich einst pazifistisch gebärdenden
Neuparteiler, etwas anderes wollten? Nein, sogar die
GRÜNEN gehen heutzutage mit dem Kollateralschaden sehr,
sehr ernst, aber im Hinblick auf die Bewahrung grüner
Ministersessel voll imposanten Bedauerns über seine
nicht rückholbare Existenz um. Mit den GRÜNEN werden
wir alles schaffen!
Ein Primitiv-Abschlachten alter Art mit Pfeil und Bogen
usw. ist längst zu kostspielig geworden und spricht
aller betriebswirtschaftlich kalkulierten Kriegsführung
Hohn. Eine Armee der Feindseite soll durch
Schlachtenlassen im kaufmännischen Sinn so effektiv und
preiswert wie möglich geknockouted werden. Daher sind
Waffenproduzenten, die mit »intelligenten« Waffen
glänzen, allen Feldherren hochwillkommen. Man muß ja
auch auf den Militäretat achten!
Bekannte Allgemeinplätze zur militärischen Moral
Wenn man Leitern von Armeen und Öbersten im Staat die
Frage stellt, ob es womöglich unmoralisch ist, für die
Kriegsführung aufzurüsten und anschließend Kriege
durchzuführen, erhält man immer die gut auswendig
gelernte Kinderantwort, man »müsse sich ja wehren
können und dürfe nicht schutzlos sein«.
Diese Antwort geben alle Leiter und Öbersten sämtlicher
Armeen auch die von sämtlichen Feindesseiten!
, so daß ein komprimierter Schwachsinn hell
aufflackert, den zu beseitigen sich aber lohnt. So daß
ich einen Grund sehe, an dieser Stelle mit Nachdenken
nicht einfach Schluß zu machen, sondern nachfolgend noch
mehr zu durchleuchten.
Die Aufrüstung der Armeen
Die Aufrüstung bezieht sich
1. auf Militärtechnik, womit die Waffenentwicklung
gemeint ist,
2. auf Kriegsführungsmethoden (die heißen strategische
Planungen, nichts klingt besser) und
3. auf die Motivation der Soldaten, denn ein Soldat, der
keine grundsolide Wollust verspürt, das Kriegshandwerk
hingebungsvoll auszuüben, wird immer ein schlechter
Soldat bleiben.
Über die Kriegsführungsmethoden brauche ich was
die Aufrüstung anbetrifft vorerst kein besonderes
Wort zu verlieren, denn diese Methoden werden
bekanntermaßen immer brutaler, obwohl Verfechter und
Waffenproduzenten für neueste Kriegsführungsmethoden
meinen, sie würden fortwährend verfeinert und
vervollkommnet. Wie bereits erwähnt, läßt sich
gegenwärtig mit den richtigen Kriegsführungsmethoden
die gesamte Erdbevölkerung spielend auf einen Schlag
ausrotten.
Soldaten sollen sich aus betriebswirtschaftlichen und
kalkulatorischen Gründen so effektiv wie möglich in das
Schlachten stürzen. Daher müssen die geistig-seelische
Vorbereitung des Soldaten energisch auf Touren gebracht
und die moralische Vorbereitung gut durchgekaut werden.
Je nach gen-strukturierter Denkschwäche oder
erbanlagenbedingter Einfalt des einzelnen Soldaten wird
im Notfall mit Zückerchen und Peitsche nachgeholfen. Ich
unterscheide:
1. Staatliche Zückerchen für die »guten Soldaten«
Der Staat verspricht, wenn der Soldat ordentlich kämpft,
kriegt er Orden und Ehrenzeichen. Diese militärischen
Devotionalien kosten den Staat nur das Blech und die
Farbe, bringen ihm aber unverhältnismäßig viel ein, so
daß der betriebswirtschaftliche Positiveffekt stark zu
Buche schlägt. Das schafft in ähnlicher Form kein
privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen!
2. Die Drohung mit der Peitsche durch den Staat
Der Staat droht, wenn der Soldat nicht mehr ordentlich
kämpfen will, mit dem Wehrstrafgesetz. § 6: »Furcht
vor persönlicher Gefahr entschuldigt eine Tat nicht,
wenn die soldatische Pflicht verlangt, die Gefahr zu
bestehen.« Wenn der Soldat also im Kampf die Gefahr
erkennt, weil ihn eine Erleuchtung überfällt und er
daraufhin die Hosen gestrichen voll hat, muß er straff
im erkennbaren Selbstmordrisiko verharren und sich im
Sturmangriff dem Feind weiter als Zielscheibe
notfalls ohne jede Deckungsmöglichkeit anbieten.
Vernunftgemäßes Denken ist also strafbar. Fahnenflucht,
wohl das Vernünftigste für Denker, wird auch bestraft,
und zwar nach § 16 des Wehrstrafgesetzes.
3. Die Ohnmacht der freien Marktwirtschaft im staatlichen
Militärbetrieb
Der Staat könnte für die Motivation von Soldaten
Psychologen einstellen, aber das kostet! Erheblich mehr
als das bißchen Blech und Farbe für Orden und
Ehrenzeichen. Die freie Marktwirtschaft auf dem Gebiet
der Psychologie wird diese Lücke sicher nicht
schließen, weil es für den Staat einfach zu teuer wird.
4. Das staatliche Gerede vom Heldentum
Der Staat ist daran interessiert, möglichst vom
»ehrenwerten« Begriff des »Helden« zu sprechen,
obwohl ein Held immer in Gefahr ist, sich durch die Brust
schießen zu lassen (die Brust heißt dann Heldenbrust)
und auf dem Schlachtfeld sein kostbares Leben auf immer
zu verlieren. Heldengedenkmale stehen in unserem Land
folglich immer noch massenhaft rum und künden von
eingegrenzter Denkkraft der Einwohner, die sich um solche
Denk-Unmale in regelmäßigen Zeitabständen versammeln,
das Lied vom guten Kameraden gefühl- bis geräuschvoll
erschallen lassen, Gewehrsalven zu Ehren längst
verblichener Helden in die Luft jagen, ihre alten sowie
erneuerten Kriegervereinsfahnen feste schwenken, vor
irgendwas, was nicht erkennbar ist, strammstehend
salutieren (die Heldenbrust wird dann beim Strammstehen
immer rausgestreckt, obwohl niemand erkennbar ist, der in
diesem Augenblick drauf schießen möchte), und vor
keiner noch so senilen Ansprache zurückschrecken. Sowas
habe ich schon gesehen; es vertreibt mir für längere
Zeit die letzten Reste von Gemüt sowie den Glauben, daß
die allgemeine menschliche Intelligenz endlich auf dem
Vormarsch ist.
5. Die Verschleierung von Begriffen
Der Staat verschleiert manche Begriffe, um das
Kritikvermögen der Soldaten so weit einzunebeln, daß
sie manches erst garnicht wahrnehmen. So ist es dem Staat
unmöglich, von getöteten Soldaten zu sprechen, die im
Krieg umgebracht werden. Aus diesem Grund heißt solch
ein Exitus-Soldat dann »Gefallener«. Das klingt hübsch
harmlos nach Hinfallen und leichten existenziellen
Schwierigkeiten, wieder ruckzuck aufzustehen. Allerdings
haben Mütter Schwierigkeiten mit dem Tatbestand des
Gefallenseins ihrer Söhne, was man daran erkennt, daß
diese Mütter längere Zeit mit verheulten Gesichtern
rumrennen. Der Gedanke daran, daß im Glücksfall gerade
ein Militärpfarrer segnend und tröstend mit der letzten
Ölung, einer halbwegs frisch gewaschenen Stola und
lyrisch-christlichen Sterbegebeten zur Hand ging, als
ihrem Heldensohn auf dem Feld der Ehre die letzte Stunde
schlug, kann Mütter nicht trösten. Militärpfarrer
haben also über den Bereich des militärisch-ordinierten
Segnens hinaus eine begrenzte Wirkung, und keine
Verschleierungstaktik ändert was daran.
6. Die Standard Kirchen-Saga aus fast 2 Jahrtausenden:
Kämpfen ist Gottes heiliger Wille!
Die christlichen Kirchen sagen in unserem Lande,
christliche Soldaten seien »Kämpfer Gottes« und
»Streiter Christi«.
Nur extrem strammkatholische und -evangelische Soldaten
ohne Denkvielfalt, aber maximal ausgeprägter Denkeinfalt
werden sich hier angesprochen und motiviert fühlen und
sich hingebungsvoll in jede Schlacht stürzen. Darüber
werde ich unter der Überschrift »Betrachtungen über
die moralischen Grundlagen der Militärseelsorger«
einige Überlegungen ausbreiten.
7. Der einfachste Fall, der keiner Motivation bedarf
Für die ganz Denkschwachen ist keine Motovation nötig,
denn die hören anstandslos auf sämtliche Befehle, und
das ist letztendlich für Staat und Kirche voll
ausreichend.
Verfeinerungen und Vergröberungen der Motivationen
Die vorstehenden Ausführungen zeigen, daß im Volk grobe
Begriffsstutzigkeiten in Form von Verstandeslücken
existieren. Verstandeslücken treten auf, sobald jemand
beispielsweise sagt, er kämpfe »für Gott und
Vaterland«.
Hier handelt es sich um einen vergröberten
Motivationsversuch, denn ein geschliffener Verstand
würde an dieser Stelle ruckzuck mißtrauisch reagieren
und mit beißendem Spott nicht geizen.
Weil es aber hierzulande festgefügte
Militaristen-Tradition ist, immer für Gott und Vaterland
kämpfen zu lassen, sind wie vorstehend
beispielsweise mit dem Argument sparsamer
Kostenkalkulation begründet einfache Psychologen
in Armeen vollkommen fehl am Platz. Denn hier gehören
geistliche Fachleute aus dem Bereich des
Berufschristentums ran! Aber kostenlos wirkende! Was ja
auch verständlich ist, denn jeder Bischof und Pfarrer
ist in Sachen »Für Gott und Vaterland« einem einfachen
Psychologen haushoch überlegen. Natürlich kostet ein
Militärgeistlicher den Staat garnichts; die Steuerzahler
zahlen nach Reichskonkordat der Nazis. Für die Kirchen
wird es eh preiswert, denn die Kirchen bezahlen
ihre Militärgeistlichen sowieso nicht. Weil sie der
Steuerzahler ja schon bezahlt hat.
Je nachhaltiger ein Geistlicher generell die Menschen
für den Lieben Gott begeistern kann, um so glücklicher
wird er sich schätzen. Militärgeistliche stellen keine
Ausnahme dar.
Wer Soldaten nachhaltig für den Lieben Gott begeistern
will, sollte als Militärgeistlicher auf jeden Fall bei
jenen anfangen, die als gutgläubige Kirchenmitglieder
gemäß der Bibel zum prächtig funktionierenden
Gehorsamsautomatismus erzogen worden waren. Vielleicht
springt ein Funken dann von ganz alleine auf weniger
gutgläubige Kirchenmitgliedssoldaten über. Ein Beispiel
darf ich anführen.
Schon im zarten Lebensalter wird den
Kindergartenkleinsten vom Gehorsam Abrahams erzählt, der
seinen Sohn Isaak opfern sollte, weil der Liebe Gott dies
aus reinen Testgründen so wollte; Abraham wurde einer
Art göttlichem TÜV-Gehorsamstest unterzogen. Daß
dieser Gehorsam mit dem Überleben des Isaak belohnt
wurde, beweist den gläubigen Kindergartenkleinsten
genauestens, daß der absolute Gehorsam mit Sicherheit
stets zu einem guten Ende führt. Das sitzt dann auch im
Gedächtnis der zu Soldaten gereiften ehemaligen
Kindergartenkleinsten bis an deren seliges Ende.
An dieser Stelle möchte ich, weil Kitsch so herrlich
blühen kann, eine rosarot flimmernde Geschmacklosigkeit
quasi als Beweisstück präsentieren, denn ich habe nicht
die Absicht, im Theoretisieren zu versacken! Diese
Geschmacklosigkeit, vorgesehen für den Gebrauch in
christlichen Kindergärten und im Religionsunterricht von
Grundschulen, stammt aus »Die Bibel unserer Kinder« des
Katholischen Bibelwerks Stuttgart, nach der übrigens
auch meine Kinder in den sechziger und siebziger Jahren
durch Vorlesen unterrichtet worden waren. Diese Bibel ist
ein schlimmer Gesamt-Verschnitt des Alten und Neuen
Testamensts; gegenüber der Normalausgabe der »Bibel im
heutigen Deutsch« mit ihren 1319 Seiten weist dieser
Katholenverschnitt nur 175 Seiten 1 auf. Und was nun
folgt, empfinde ich als spektakulär: Rein rechnerisch
dürfte bei analoger Textkürzung die Story von Abraham
und Isaak in diesem katholischen Bibelverschnitt nur 58
Wörter ausgemacht haben; in Wirklichkeit ist dieser
Katholenverschnitt in der Abraham-Isaak-Darstellung aber
auf 767 Wörter aufgeblasen worden. 2 Das entspricht
einer Aufplusterung um das Dreizehnfache! Daraus ist
ersichtlich, daß die katholische Kirche die extremste
Form des Kadavergehorsams derart liebt, daß sie keine
Mühe scheut, die für Staat und Kirche so eminent
wichtige »Kette von Befehl und Gehorsam« mit vielen,
vielen Worten bereits im Seelenleben unmündiger Kinder
zu verankern, ja regelrecht einzurammen. Hier ist der
dümmliche Text:
Gott über alles liebhaben
Isaak war ein großer Junge geworden. Und je größer er
wurde, um so mehr liebte Abraham ihn. Gott hatte ihm
dieses Kind geschenkt. Abraham liebte Gott auch sehr.
Aber wen liebte Abraham stärker, Gott oder sein Kind? Er
brachte Gott oft ein Opfer dar. Dann schenkte er dem
Herrn etwas. Er wollte ihm alles geben, was er hatte.
Alles? Und sein Kind? Ob er Gott auch sein Kind geben
würde? Da dachte der Herr: »Ich will doch einmal sehen,
wen Abraham mehr liebt, mich oder sein Kind? Ob er mich
wohl über alles liebt?« Und Gott rief in der Nacht:
»Abraham!«
Abraham wachte sofort auf und sagte: »Hier bin ich.« Da
hörte er den Herrn sagen: »Abraham, du mußt mir dein
Kind geben. Du mußt es opfern auf dem Berg Morija.« Wie
sehr erschrak Abraham! Sein einziges Kind, das er so
liebhatte, durfte er es nicht behalten? Das Kind, das
Gott ihm selbst geschenkt hatte, mußte er es jetzt
wieder zurückgeben? Dabei hatte Gott doch gesagt, daß
Isaak in diesem Lande wohnen und der Vater eines großen
Volkes werden sollte! Abraham konnte das nicht begreifen.
Er konnte es fast nicht glauben. Aber Gott hatte es
ausdrücklich gesagt, und da mußte er gehorchen. Doch
Abraham hätte schreien mögen vor Schmerz. Er konnte
nicht mehr schlafen. Er mußte immerzu daran denken ...
Sollte er es tun oder nicht? Abraham war sehr traurig.
Denn, wenn er es tun würde, dann hätte er kein Kind
mehr. Und wenn er es nicht tun würde, dann wäre Gott
nicht mehr sein Freund. Was sollte er tun? Abraham wußte
es nicht. Nein, er wußte es doch!
Wenn Gott etwas sagt, dann ist es immer gut. Und dann
mußt du immer gehorchen, wenn du auch nichts davon
verstehst.
(Anmerkung des Verf.: Mit Gott setzt das Kind später den
Papst, die Bischöfe, die Pfarrer und Militärpfarrer
gleich, und mit Gott vergleicht es später auch die
Öbersten im Staat, weil »alle Gewalt von Gott kommt«,
auch die Militärpfarrer, nachfolgend auch den Offizier
beim Sturmangriff. So wird die Grundlage zum
Kadavergehorsam gelegt! Aus diesem Grund wird diese
»Bibel unserer Kinder« bedauerlicherweise nie als
jugendgefährdende Schrift im Rahmen des
Kindesmißbrauchs eingestuft werden!)
Und wenn du auch deswegen Kummer hast. Das glaubte
Abraham. Und der Glaube machte ihn gehorsam. Er dachte:
»Ich weiß nicht, warum Gott das verlangt. Aber ich tue
es, denn Gott hat es gesagt, und Gott kann auch dafür
sorgen, daß alles wieder gut wird.« Und Abraham stand
in der Frühe des folgenden Morgens auf und machte einen
Esel fertig und weckte zwei seiner Knechte. Und dann ging
er in das Zelt, in dem Isaak schlief. »Wach auf, mein
Junge, wir machen eine Reise!« Nun, das tat Isaak gern.
Und es wurde eine schöne, lange Reise. Drei Tage dauerte
sie, bevor sie am Ziel waren. Es war wohl die herrlichste
Reise, die Isaak bisher gemacht hatte. Aber für Abraham
war es die beschwerlichste Reise. Noch nie hat ein Vater
eine so beschwerliche Reise gemacht. Endlich kamen sie an
den Berg Morija. Da sprach Abraham zu den Knechten: »Nun
müßt ihr mit dem Esel hierbleiben. Isaak und ich gehen
nach oben. Und wenn wir dort ein Opfer gebracht haben,
dann kommen wir zurück.«
Dann kommen wir zurück! Ja, das sagte Abraham. Das
meinte er auch so. Er glaubte fest, daß Gott alles
gutmachen würde. Isaak durfte das Holz tragen. Abraham
nahm den Topf mit dem Feuer. So machten sie sich beide
zusammen auf. Plötzlich aber stand Isaak still.
»Vater«, sagte er. Und Abraham erwiderte: »Was ist,
mein Junge?« »Vater«, sagte Isaak, »du hast das
Feuer, und ich trage das Holz, aber wo ist das Lamm, das
wir opfern wollen?«
(Anmerkung des Verf.: Isaak war offensichtlich ein
Spätzünder, aber welche Kirche und welcher Staat kann
auf Spätzünder verzichten?)
Abraham sprach: »Für ein Lamm wird Gott sorgen, mein
Junge.« So gingen beide weiter. So kamen sie oben auf
dem Berge an. Dort machte Abraham einen Altar von
Steinen. Er legte Holz darauf. Ja, und nun mußte Abraham
es wohl sagen. Jetzt erzählte er Isaak, daß er nun das
Lamm sein müsse. Und er legte Isaak auf das Holz.
Aber da rief der Herr: »Abraham, Abraham!« Denn jetzt
war es genug. Gott hatte gesehen, daß Abraham ihm alles
geben wollte. Abraham sprach froh:
(Anmerkung des Verf.: Jetzt kommt die Stelle mit dem
Happy End und nichtendenwollendem Glückstaumel!)
»Hier bin ich.« Und der Herr sprach: »Halt ein,
Abraham, und tue dem Jungen nichts! Denn nun weiß ich,
daß du mich über alles liebhast, und daß du mir sogar
dein Kind geben willst.« Wie froh war Abraham jetzt! Er
band Isaak schnell los und nahm ihn fest in seine Arme.
Und plötzlich hörte er etwas hinter seinem Rücken
rascheln. Und als er sich umsah, erblickte er ein Lamm,
das in den Sträuchern festsaß. Dafür hatte Gott
gesorgt.
(Anmerkung des Verf: Das ist noch besser als in ganz
alten Kintopp-Filmen!)
Abraham legte das Lamm auf das Holz und brachte dem Herrn
ein Opfer. Noch nie im Leben war er so glücklich und
dankbar gewesen. Dann sind sie wieder nach Hause
gegangen. Gott hatte alles gut gemacht. Abraham hatte
noch sein Kind. Und Gott war noch sein Freund. Oh, Gott
war ihm noch nie ein solch guter Freund gewesen! Und
Isaak würde nun doch der Vater eines großen Volkes
werden.«
(Anmerkung des Verf.: Jetzt fehlt nur noch »Und wenn sie
nicht gestorben sind, so leben sie heute noch!«)
Ja, wirklich, was jedes mißbrauchte Kind (auch jedes
sexuell mißbrauchte!) im zartesten Alter erlebt und
gelernt hat, wird in seinem Unterbewußtsein derart
dauerwirksam abgelegt, daß es unbemerkt
ein ganzes Leben stabil wirkt. So beginnt christliche
Gläubigkeit, die in unseren Kindergartenkleinsten
angelegt wird, mit einem echten Kindesmißbrauch.
Interessanterweise wird diese besondere Art des
Kindesmißbrauchs bei Kindergartenkleinsten nicht
bestraft, denn unser StGB sieht das nicht vor.
Darüberhinaus ist anzumerken: Der Kindesmißbrauch wird
bereits mit der Säuglingstaufe, die die Aufnahme von
Wehr- und Willenlosen in eine Kirche beinhaltet,
gestartet, und dies wird auch nicht nach StGB bestraft.
Vermutlich werden wir in unserer leichtgläubigen und
leichtformbaren Gesellschaft noch eine längere Strecke
vor uns haben, ehe wir erste Ansätze einer
Kulturnation-Werdung zeigen. Die Leiter und Öbersten von
Armeen aller Feindseiten nicht nur der unsrigen
sind aber sehr dankbar, daß es diesen
»nützlichen« Kindesmißbrauch weiterhin gibt, weil sie
auf diese Weise eine Menge Mühe weniger haben, sobald
die erwachsen gewordene Kindergartenkleinsten beim
Militär Befehle ohne den geringsten Widerspruch
entgegennehmen müssen. So wie Abraham vom Lieben Gott.
Und wenn später solch ein soldatgewordener
Kindergartenkleinster probieren möchte, einen Befehl
nicht auszuführen, wird ihm der Leiter der Armee
pünktlich das Wehrstrafgesetz unter die Nase halten.
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