Buch Militaerseelsorge
Die zweite Kreuzigung Jesu?
Hier: Leseproben

Militärseelsorge, Soldatenverdummung, Töten, Moral, Bibelkritik, Kirchenkritik, Religionskritik, Bundeswehr, Militär, Christentum, Bergpredigt, Soldatenmissbrauch

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Leseprobe 2 (Text leicht gekürzt):

Kapitel 1

Grundlegende Betrachtungen

Was ist Militär?

Militär ist eine Zusammenballung von Menschen zum Zweck der Kriegsführung gegen eine andere Zusammenballung von Menschen, die sich auf der sogenannten »Feindseite« mangels Denkvermögens zum gleichen Zweck zur Verfügung stellen lassen.

Was ist Feindseite?

Feindseite ist immer die andere Seite, weil jede Seite das so sagt.

Der Standard des Kriegführens

Heutzutage hat sich das standardisierte Kriegführen gegenüber früher stark verändert, denn die modernen Armeen führen nicht mehr Krieg nur gegen andere Armeen der sogenannten Feindseite, sondern auch und ganz besonders

a) gegen die gesamte schutzlose Zivilbevölkerung der sogenannten Feindseite (die gezielte Bombardierung von Menschen in ihren Städten fällt z. B. darunter) und

b) im Zeitalter der atomaren, chemischen und biologischen Kriegswaffen gegen sämtliche Zivilbevölkerungen der Erde. So wächst die sogenannte Feindseite grandios über sich hinaus und wird unfreiwillig zur gesamten Erd-Feindseite.

Eigentlich wird bei genauerem Hinsehen keine Seite freiwillig zur Feindseite, aber Staat und Kirchen haben seit Jahrhunderten zur selbstverständlichen Bildung von Feindseiten derart zuverlässig beigetragen, daß wir jedes eigenständige Nachdenken darüber längst eingestellt haben.

Die praktische Realisierung der Kriegsführung
in der Menschheitsgeschichte

Jahrtausendelang hatten Feldherren ihre Armeen direkt aufeinander prallen lassen, so daß sich gewohnheitsmäßig ein Schlachtenkampfesgetümmel erhob. Dieses Schlachtenkampfesgetümmel lief nach dem Prinzip des Abschlachtes ab (der Name ist Synonym und taugt hundertprozentig zur akkuraten Beschreibung der ablaufenden Gemetzeltätigkeiten) und wurde je nach Gesamtausgang wie folgt beendet:

a) Beide Armeen schlachteten sich derart ab, daß keiner mehr übrigblieb. Dieser Endzustand ist jedoch mehr theoretischer Natur, denn nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeits wird zumindest irgendeiner doch noch übrig geblieben sein. Zu den Übriggebliebenen gehören u. a. auch diejenigen Vernünftigen, die sich schlau versteckt hielten, bis alles vorüber war. Sie wurden aber im Fall des Erwischens als Fahnenflüchtige bestraft, was zivilisierte Menschen hoher Kulturstufen verwundert, denn es ist absolut unlogisch, daß angewandte Klugheit bestraft wird. Sobald auch nur einer übriggeblieben war, hatte die Armee, der dieser angehörte, den Krieg gewonnen. Einer muß ja schließlich gewinnen. Sonst hätte der Krieg ja auch keinen Sinn gehabt. Und Kriege haben ja auch einen Sinn zu haben! Oder? Antworten erhalten wir unaufgefordert von den Waffenfabrikanten.

b) Beide Armeen schlachteten sich derart unvollkommen ab, daß von einer dieser Armeen wesentlich mehr übrig blieb als von der anderen und die dann den Krieg einwandfrei gewonnen hatte. Die Feldherren der stark geschrumpften unterlegenen Armeen haben diesen Zustand während des Ablaufs des Schlachtens gelegentlich – je nach bescheidenem Ansatz aufkeimender Intelligenz – rechtzeitig erkannt und dann nach entsprechender Einsicht aufgehört, abschlachten zu lassen. Das Ende des Schlachtens können die einfachen Schlachtenbeteiligten ja bedauerlicherweise nie selbst bestimmen (man hat den einfachen Schlachtenbeteiligten, den Soldaten, keinerlei Befehlsgewalt erteilt! Wo kämen die Feldherren da auch hin!), so daß bei näherem Zusehen wirklich alles von spektakulären Intelligenzschüben der Feldherren abhängt. Der unterlegende Feldherr war also jener, dessen Armee – präzise formuliert – im Verhältnis zur anderen Armee nur noch die geringste Menge an Überlebenden enthielt. Die Ehre des unterlegenen Feldherren war nur dann gerettet, wenn dieser pathetisch dem siegreichen Feldherren seinen Degen überreichte. Damit blieb die Ehre beider Feldherren fleckenrein für den nächsten Abschlachtvorgang erhalten. Und so haben sie es immer gehalten.

c) Die Mitglieder beider Armeen fanden mitten in Schlachtengeschehen zur Vernunft, jagten ihre Feldherren zum Teufel, und verbrüderten sich. Dieses wunderbare Ereignis ist, soweit ich weiß, bisher noch nicht passiert – vom braven Soldaten Schwejk Josef einmal abgesehen – was mich beflügelt, vom »einzig denkbar vernünftigen Ausgang eines Kampfschlachtens« zu sprechen. Schwejk Josef war übrigens ein »behördlich anerkannter Idiot«, was die Vermutung aufblitzen läßt, daß »Idioten« und »Militär« prinzipiell eng zusammengehören. Nach Beendigung des Schlachtens geschieht es gelegentlich, daß sich die ehemaligen feindlichen Schlachtenbeteiligten zu einem Treffen zusammenfinden. Und man kann im Fernsehen zusehen, wie sehr sie sich anläßlich ihrer Treffen in aller Herzlichkeit gegenseitig auf die Schulter klopfen. Das will aber nichts zu sagen haben, denn das ist ja jetzt, wo das Abschlachten vorbei ist, wirklich keine Kunst mehr!

Ob auch noch andere Idioten in diese Sparte der behördlich anerkannten Idioten hinzugerechnet werden müssen, sollte irgendwann einmal untersucht werden.

d) Einer der beiden beteiligten Feldherren erkannte, daß die Mitglieder der »Feindseite« zahlen- und ausrüstungsmäßig derart überlegen waren, so daß es sich wegen zu erwartenden hohen Material- und Menschenverschleisses wirklich nicht lohnte, aufeinandermarschieren und abschlachten zu lassen. Solche Feldherren, denen man einen deutlichen – aber unerwarteten – Anflug aufkeimender Intelligenz bescheinigen könnte, habe ich bisher noch nicht in der Menschheitsgeschichte entdeckt, was als erlesener Anhaltspunkt für jede wissenschaftlich fundierte Maßstabsetzung von Intelligenzquotienten in der Feldherrensparte zu gelten hat.

e) Ein Unwetter beendete das Kampfschlachten (»Orkan versenkt Armada«) und wirkte wie deus ex machina.

f) Eine Kirche, die sich nicht nur christlich nannte, sondern auch christlich war, protestierte gegen das sich abzeichnende Schlachten und verhinderte es erfolgreich. Das ist nach meiner Kenntnis noch nie geschehen, und sollte es irgendwann einmal eine wirklich christliche Kirche geben, wird dieses kaum ausdenkbare Denkmodell sicher schnellstens zur Realität werden!

Die Praxis der Kriegsführung in unserer Neuzeit

Die Praxis der Kriegsführung in unserer Zeit hat sich verändert, denn der moderne Krieg kennt ja nicht mehr das einfältige Abschlachten irgendwelcher Primitiv-Zusammenballungen mit Spieß, Pfeil und Bogen sowie Schwert und Schild, sondern mehr; beispielsweise Elektronik für »intelligente« Waffen. Über die moderne Militärtechnik brauche ich hier kein besonderes Wort zu verlieren, denn die technischen Kriegs-Gerätschaften sind hinlänglich volksbekannt und reichen bis zu den Waffen in Form von elektronisch exakt gesteuerten »intelligenten« Lenkraketen (»to fire and to forget«), wobei sich gleich die rhetorische Frage stellt, ob der Begriff »Idiotie« nunmehr auf den Begriff der »Intelligenz von Waffen« ausgedehnt werden muß.

Gut daß wir das Fernsehen haben, denn so erkennen wir bequem im Fernsehsessel zur trauten Abendstunde bei einer Flasche Bier und zartem Käsegebäck, daß das Abschlachten von Zivilisten statt Soldaten mittlerweile ein vernachlässigbarer Kollateralschaden ist, den unsere modernen Feldherren nebst ihren Öbersten im Staat in all ihrer spartanisch ausgeprägten Klarsicht hinnehmen. Wie die Praxis im Kosovokrieg zeigte. So wurde im Kosovokrieg der »Kollateralschaden« das beliebteste Wort vieler Fernsehzuschauer, Stammtischstrategen, Kaffeekränzchendamen und sich noch bewegender, hochdekorierter Altkämpfer in Seniorenresidenzen. Ob die GRÜNEN, die sich einst pazifistisch gebärdenden Neuparteiler, etwas anderes wollten? Nein, sogar die GRÜNEN gehen heutzutage mit dem Kollateralschaden sehr, sehr ernst, aber im Hinblick auf die Bewahrung grüner Ministersessel voll imposanten Bedauerns über seine nicht rückholbare Existenz um. Mit den GRÜNEN werden wir alles schaffen!

Ein Primitiv-Abschlachten alter Art mit Pfeil und Bogen usw. ist längst zu kostspielig geworden und spricht aller betriebswirtschaftlich kalkulierten Kriegsführung Hohn. Eine Armee der Feindseite soll durch Schlachtenlassen im kaufmännischen Sinn so effektiv und preiswert wie möglich geknockouted werden. Daher sind Waffenproduzenten, die mit »intelligenten« Waffen glänzen, allen Feldherren hochwillkommen. Man muß ja auch auf den Militäretat achten!

Bekannte Allgemeinplätze zur militärischen Moral

Wenn man Leitern von Armeen und Öbersten im Staat die Frage stellt, ob es womöglich unmoralisch ist, für die Kriegsführung aufzurüsten und anschließend Kriege durchzuführen, erhält man immer die gut auswendig gelernte Kinderantwort, man »müsse sich ja wehren können und dürfe nicht schutzlos sein«.

Diese Antwort geben alle Leiter und Öbersten sämtlicher Armeen – auch die von sämtlichen Feindesseiten! – , so daß ein komprimierter Schwachsinn hell aufflackert, den zu beseitigen sich aber lohnt. So daß ich einen Grund sehe, an dieser Stelle mit Nachdenken nicht einfach Schluß zu machen, sondern nachfolgend noch mehr zu durchleuchten.

Die Aufrüstung der Armeen

Die Aufrüstung bezieht sich
1. auf Militärtechnik, womit die Waffenentwicklung gemeint ist,
2. auf Kriegsführungsmethoden (die heißen strategische Planungen, nichts klingt besser) und
3. auf die Motivation der Soldaten, denn ein Soldat, der keine grundsolide Wollust verspürt, das Kriegshandwerk hingebungsvoll auszuüben, wird immer ein schlechter Soldat bleiben.

Über die Kriegsführungsmethoden brauche ich – was die Aufrüstung anbetrifft – vorerst kein besonderes Wort zu verlieren, denn diese Methoden werden bekanntermaßen immer brutaler, obwohl Verfechter und Waffenproduzenten für neueste Kriegsführungsmethoden meinen, sie würden fortwährend verfeinert und vervollkommnet. Wie bereits erwähnt, läßt sich gegenwärtig mit den richtigen Kriegsführungsmethoden die gesamte Erdbevölkerung spielend auf einen Schlag ausrotten.

Soldaten sollen sich aus betriebswirtschaftlichen und kalkulatorischen Gründen so effektiv wie möglich in das Schlachten stürzen. Daher müssen die geistig-seelische Vorbereitung des Soldaten energisch auf Touren gebracht und die moralische Vorbereitung gut durchgekaut werden. Je nach gen-strukturierter Denkschwäche oder erbanlagenbedingter Einfalt des einzelnen Soldaten wird im Notfall mit Zückerchen und Peitsche nachgeholfen. Ich unterscheide:

1. Staatliche Zückerchen für die »guten Soldaten«

Der Staat verspricht, wenn der Soldat ordentlich kämpft, kriegt er Orden und Ehrenzeichen. Diese militärischen Devotionalien kosten den Staat nur das Blech und die Farbe, bringen ihm aber unverhältnismäßig viel ein, so daß der betriebswirtschaftliche Positiveffekt stark zu Buche schlägt. Das schafft in ähnlicher Form kein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen!

2. Die Drohung mit der Peitsche durch den Staat

Der Staat droht, wenn der Soldat nicht mehr ordentlich kämpfen will, mit dem Wehrstrafgesetz. § 6: »Furcht vor persönlicher Gefahr entschuldigt eine Tat nicht, wenn die soldatische Pflicht verlangt, die Gefahr zu bestehen.« Wenn der Soldat also im Kampf die Gefahr erkennt, weil ihn eine Erleuchtung überfällt und er daraufhin die Hosen gestrichen voll hat, muß er straff im erkennbaren Selbstmordrisiko verharren und sich im Sturmangriff dem Feind weiter als Zielscheibe – notfalls ohne jede Deckungsmöglichkeit – anbieten. Vernunftgemäßes Denken ist also strafbar. Fahnenflucht, wohl das Vernünftigste für Denker, wird auch bestraft, und zwar nach § 16 des Wehrstrafgesetzes.

3. Die Ohnmacht der freien Marktwirtschaft im staatlichen Militärbetrieb

Der Staat könnte für die Motivation von Soldaten Psychologen einstellen, aber das kostet! Erheblich mehr als das bißchen Blech und Farbe für Orden und Ehrenzeichen. Die freie Marktwirtschaft auf dem Gebiet der Psychologie wird diese Lücke sicher nicht schließen, weil es für den Staat einfach zu teuer wird.

4. Das staatliche Gerede vom Heldentum

Der Staat ist daran interessiert, möglichst vom »ehrenwerten« Begriff des »Helden« zu sprechen, obwohl ein Held immer in Gefahr ist, sich durch die Brust schießen zu lassen (die Brust heißt dann Heldenbrust) und auf dem Schlachtfeld sein kostbares Leben auf immer zu verlieren. Heldengedenkmale stehen in unserem Land folglich immer noch massenhaft rum und künden von eingegrenzter Denkkraft der Einwohner, die sich um solche Denk-Unmale in regelmäßigen Zeitabständen versammeln, das Lied vom guten Kameraden gefühl- bis geräuschvoll erschallen lassen, Gewehrsalven zu Ehren längst verblichener Helden in die Luft jagen, ihre alten sowie erneuerten Kriegervereinsfahnen feste schwenken, vor irgendwas, was nicht erkennbar ist, strammstehend salutieren (die Heldenbrust wird dann beim Strammstehen immer rausgestreckt, obwohl niemand erkennbar ist, der in diesem Augenblick drauf schießen möchte), und vor keiner noch so senilen Ansprache zurückschrecken. Sowas habe ich schon gesehen; es vertreibt mir für längere Zeit die letzten Reste von Gemüt sowie den Glauben, daß die allgemeine menschliche Intelligenz endlich auf dem Vormarsch ist.

5. Die Verschleierung von Begriffen

Der Staat verschleiert manche Begriffe, um das Kritikvermögen der Soldaten so weit einzunebeln, daß sie manches erst garnicht wahrnehmen. So ist es dem Staat unmöglich, von getöteten Soldaten zu sprechen, die im Krieg umgebracht werden. Aus diesem Grund heißt solch ein Exitus-Soldat dann »Gefallener«. Das klingt hübsch harmlos nach Hinfallen und leichten existenziellen Schwierigkeiten, wieder ruckzuck aufzustehen. Allerdings haben Mütter Schwierigkeiten mit dem Tatbestand des Gefallenseins ihrer Söhne, was man daran erkennt, daß diese Mütter längere Zeit mit verheulten Gesichtern rumrennen. Der Gedanke daran, daß im Glücksfall gerade ein Militärpfarrer segnend und tröstend mit der letzten Ölung, einer halbwegs frisch gewaschenen Stola und lyrisch-christlichen Sterbegebeten zur Hand ging, als ihrem Heldensohn auf dem Feld der Ehre die letzte Stunde schlug, kann Mütter nicht trösten. Militärpfarrer haben also über den Bereich des militärisch-ordinierten Segnens hinaus eine begrenzte Wirkung, und keine Verschleierungstaktik ändert was daran.

6. Die Standard Kirchen-Saga aus fast 2 Jahrtausenden: Kämpfen ist Gottes heiliger Wille!

Die christlichen Kirchen sagen in unserem Lande, christliche Soldaten seien »Kämpfer Gottes« und »Streiter Christi«.

Nur extrem strammkatholische und -evangelische Soldaten ohne Denkvielfalt, aber maximal ausgeprägter Denkeinfalt werden sich hier angesprochen und motiviert fühlen und sich hingebungsvoll in jede Schlacht stürzen. Darüber werde ich unter der Überschrift »Betrachtungen über die moralischen Grundlagen der Militärseelsorger« einige Überlegungen ausbreiten.

7. Der einfachste Fall, der keiner Motivation bedarf

Für die ganz Denkschwachen ist keine Motovation nötig, denn die hören anstandslos auf sämtliche Befehle, und das ist letztendlich für Staat und Kirche voll ausreichend.

Verfeinerungen und Vergröberungen der Motivationen

Die vorstehenden Ausführungen zeigen, daß im Volk grobe Begriffsstutzigkeiten in Form von Verstandeslücken existieren. Verstandeslücken treten auf, sobald jemand beispielsweise sagt, er kämpfe »für Gott und Vaterland«.

Hier handelt es sich um einen vergröberten Motivationsversuch, denn ein geschliffener Verstand würde an dieser Stelle ruckzuck mißtrauisch reagieren und mit beißendem Spott nicht geizen.

Weil es aber hierzulande festgefügte Militaristen-Tradition ist, immer für Gott und Vaterland kämpfen zu lassen, sind – wie vorstehend beispielsweise mit dem Argument sparsamer Kostenkalkulation begründet – einfache Psychologen in Armeen vollkommen fehl am Platz. Denn hier gehören geistliche Fachleute aus dem Bereich des Berufschristentums ran! Aber kostenlos wirkende! Was ja auch verständlich ist, denn jeder Bischof und Pfarrer ist in Sachen »Für Gott und Vaterland« einem einfachen Psychologen haushoch überlegen. Natürlich kostet ein Militärgeistlicher den Staat garnichts; die Steuerzahler zahlen nach Reichskonkordat der Nazis. Für die Kirchen wird es eh’ preiswert, denn die Kirchen bezahlen ihre Militärgeistlichen sowieso nicht. Weil sie der Steuerzahler ja schon bezahlt hat.

Je nachhaltiger ein Geistlicher generell die Menschen für den Lieben Gott begeistern kann, um so glücklicher wird er sich schätzen. Militärgeistliche stellen keine Ausnahme dar.

Wer Soldaten nachhaltig für den Lieben Gott begeistern will, sollte als Militärgeistlicher auf jeden Fall bei jenen anfangen, die als gutgläubige Kirchenmitglieder gemäß der Bibel zum prächtig funktionierenden Gehorsamsautomatismus erzogen worden waren. Vielleicht springt ein Funken dann von ganz alleine auf weniger gutgläubige Kirchenmitgliedssoldaten über. Ein Beispiel darf ich anführen.

Schon im zarten Lebensalter wird den Kindergartenkleinsten vom Gehorsam Abrahams erzählt, der seinen Sohn Isaak opfern sollte, weil der Liebe Gott dies aus reinen Testgründen so wollte; Abraham wurde einer Art göttlichem TÜV-Gehorsamstest unterzogen. Daß dieser Gehorsam mit dem Überleben des Isaak belohnt wurde, beweist den gläubigen Kindergartenkleinsten genauestens, daß der absolute Gehorsam mit Sicherheit stets zu einem guten Ende führt. Das sitzt dann auch im Gedächtnis der zu Soldaten gereiften ehemaligen Kindergartenkleinsten bis an deren seliges Ende.

An dieser Stelle möchte ich, weil Kitsch so herrlich blühen kann, eine rosarot flimmernde Geschmacklosigkeit quasi als Beweisstück präsentieren, denn ich habe nicht die Absicht, im Theoretisieren zu versacken! Diese Geschmacklosigkeit, vorgesehen für den Gebrauch in christlichen Kindergärten und im Religionsunterricht von Grundschulen, stammt aus »Die Bibel unserer Kinder« des Katholischen Bibelwerks Stuttgart, nach der übrigens auch meine Kinder in den sechziger und siebziger Jahren durch Vorlesen unterrichtet worden waren. Diese Bibel ist ein schlimmer Gesamt-Verschnitt des Alten und Neuen Testamensts; gegenüber der Normalausgabe der »Bibel im heutigen Deutsch« mit ihren 1319 Seiten weist dieser Katholenverschnitt nur 175 Seiten 1 auf. Und was nun folgt, empfinde ich als spektakulär: Rein rechnerisch dürfte bei analoger Textkürzung die Story von Abraham und Isaak in diesem katholischen Bibelverschnitt nur 58 Wörter ausgemacht haben; in Wirklichkeit ist dieser Katholenverschnitt in der Abraham-Isaak-Darstellung aber auf 767 Wörter aufgeblasen worden. 2 Das entspricht einer Aufplusterung um das Dreizehnfache! Daraus ist ersichtlich, daß die katholische Kirche die extremste Form des Kadavergehorsams derart liebt, daß sie keine Mühe scheut, die für Staat und Kirche so eminent wichtige »Kette von Befehl und Gehorsam« mit vielen, vielen Worten bereits im Seelenleben unmündiger Kinder zu verankern, ja regelrecht einzurammen. Hier ist der dümmliche Text:

Gott über alles liebhaben

Isaak war ein großer Junge geworden. Und je größer er wurde, um so mehr liebte Abraham ihn. Gott hatte ihm dieses Kind geschenkt. Abraham liebte Gott auch sehr. Aber wen liebte Abraham stärker, Gott oder sein Kind? Er brachte Gott oft ein Opfer dar. Dann schenkte er dem Herrn etwas. Er wollte ihm alles geben, was er hatte. Alles? Und sein Kind? Ob er Gott auch sein Kind geben würde? Da dachte der Herr: »Ich will doch einmal sehen, wen Abraham mehr liebt, mich oder sein Kind? Ob er mich wohl über alles liebt?« Und Gott rief in der Nacht: »Abraham!«

Abraham wachte sofort auf und sagte: »Hier bin ich.« Da hörte er den Herrn sagen: »Abraham, du mußt mir dein Kind geben. Du mußt es opfern auf dem Berg Morija.« Wie sehr erschrak Abraham! Sein einziges Kind, das er so liebhatte, durfte er es nicht behalten? Das Kind, das Gott ihm selbst geschenkt hatte, mußte er es jetzt wieder zurückgeben? Dabei hatte Gott doch gesagt, daß Isaak in diesem Lande wohnen und der Vater eines großen Volkes werden sollte! Abraham konnte das nicht begreifen. Er konnte es fast nicht glauben. Aber Gott hatte es ausdrücklich gesagt, und da mußte er gehorchen. Doch Abraham hätte schreien mögen vor Schmerz. Er konnte nicht mehr schlafen. Er mußte immerzu daran denken ... Sollte er es tun oder nicht? Abraham war sehr traurig. Denn, wenn er es tun würde, dann hätte er kein Kind mehr. Und wenn er es nicht tun würde, dann wäre Gott nicht mehr sein Freund. Was sollte er tun? Abraham wußte es nicht. Nein, er wußte es doch!

Wenn Gott etwas sagt, dann ist es immer gut. Und dann mußt du immer gehorchen, wenn du auch nichts davon verstehst.

(Anmerkung des Verf.: Mit Gott setzt das Kind später den Papst, die Bischöfe, die Pfarrer und Militärpfarrer gleich, und mit Gott vergleicht es später auch die Öbersten im Staat, weil »alle Gewalt von Gott kommt«, auch die Militärpfarrer, nachfolgend auch den Offizier beim Sturmangriff. So wird die Grundlage zum Kadavergehorsam gelegt! Aus diesem Grund wird diese »Bibel unserer Kinder« bedauerlicherweise nie als jugendgefährdende Schrift im Rahmen des Kindesmißbrauchs eingestuft werden!)
Und wenn du auch deswegen Kummer hast. Das glaubte Abraham. Und der Glaube machte ihn gehorsam. Er dachte: »Ich weiß nicht, warum Gott das verlangt. Aber ich tue es, denn Gott hat es gesagt, und Gott kann auch dafür sorgen, daß alles wieder gut wird.« Und Abraham stand in der Frühe des folgenden Morgens auf und machte einen Esel fertig und weckte zwei seiner Knechte. Und dann ging er in das Zelt, in dem Isaak schlief. »Wach auf, mein Junge, wir machen eine Reise!« Nun, das tat Isaak gern. Und es wurde eine schöne, lange Reise. Drei Tage dauerte sie, bevor sie am Ziel waren. Es war wohl die herrlichste Reise, die Isaak bisher gemacht hatte. Aber für Abraham war es die beschwerlichste Reise. Noch nie hat ein Vater eine so beschwerliche Reise gemacht. Endlich kamen sie an den Berg Morija. Da sprach Abraham zu den Knechten: »Nun müßt ihr mit dem Esel hierbleiben. Isaak und ich gehen nach oben. Und wenn wir dort ein Opfer gebracht haben, dann kommen wir zurück.«
Dann kommen wir zurück! Ja, das sagte Abraham. Das meinte er auch so. Er glaubte fest, daß Gott alles gutmachen würde. Isaak durfte das Holz tragen. Abraham nahm den Topf mit dem Feuer. So machten sie sich beide zusammen auf. Plötzlich aber stand Isaak still. »Vater«, sagte er. Und Abraham erwiderte: »Was ist, mein Junge?« »Vater«, sagte Isaak, »du hast das Feuer, und ich trage das Holz, aber wo ist das Lamm, das wir opfern wollen?«

(Anmerkung des Verf.: Isaak war offensichtlich ein Spätzünder, aber welche Kirche und welcher Staat kann auf Spätzünder verzichten?)

Abraham sprach: »Für ein Lamm wird Gott sorgen, mein Junge.« So gingen beide weiter. So kamen sie oben auf dem Berge an. Dort machte Abraham einen Altar von Steinen. Er legte Holz darauf. Ja, und nun mußte Abraham es wohl sagen. Jetzt erzählte er Isaak, daß er nun das Lamm sein müsse. Und er legte Isaak auf das Holz.

Aber da rief der Herr: »Abraham, Abraham!« Denn jetzt war es genug. Gott hatte gesehen, daß Abraham ihm alles geben wollte. Abraham sprach froh:

(Anmerkung des Verf.: Jetzt kommt die Stelle mit dem Happy End und nichtendenwollendem Glückstaumel!)

»Hier bin ich.« Und der Herr sprach: »Halt ein, Abraham, und tue dem Jungen nichts! Denn nun weiß ich, daß du mich über alles liebhast, und daß du mir sogar dein Kind geben willst.« Wie froh war Abraham jetzt! Er band Isaak schnell los und nahm ihn fest in seine Arme. Und plötzlich hörte er etwas hinter seinem Rücken rascheln. Und als er sich umsah, erblickte er ein Lamm, das in den Sträuchern festsaß. Dafür hatte Gott gesorgt.

(Anmerkung des Verf: Das ist noch besser als in ganz alten Kintopp-Filmen!)

Abraham legte das Lamm auf das Holz und brachte dem Herrn ein Opfer. Noch nie im Leben war er so glücklich und dankbar gewesen. Dann sind sie wieder nach Hause gegangen. Gott hatte alles gut gemacht. Abraham hatte noch sein Kind. Und Gott war noch sein Freund. Oh, Gott war ihm noch nie ein solch guter Freund gewesen! Und Isaak würde nun doch der Vater eines großen Volkes werden.«
(Anmerkung des Verf.: Jetzt fehlt nur noch »Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch!«)
Ja, wirklich, was jedes mißbrauchte Kind (auch jedes sexuell mißbrauchte!) im zartesten Alter erlebt und gelernt hat, wird in seinem Unterbewußtsein derart dauerwirksam abgelegt, daß es – unbemerkt – ein ganzes Leben stabil wirkt. So beginnt christliche Gläubigkeit, die in unseren Kindergartenkleinsten angelegt wird, mit einem echten Kindesmißbrauch. Interessanterweise wird diese besondere Art des Kindesmißbrauchs bei Kindergartenkleinsten nicht bestraft, denn unser StGB sieht das nicht vor. Darüberhinaus ist anzumerken: Der Kindesmißbrauch wird bereits mit der Säuglingstaufe, die die Aufnahme von Wehr- und Willenlosen in eine Kirche beinhaltet, gestartet, und dies wird auch nicht nach StGB bestraft.

Vermutlich werden wir in unserer leichtgläubigen und leichtformbaren Gesellschaft noch eine längere Strecke vor uns haben, ehe wir erste Ansätze einer Kulturnation-Werdung zeigen. Die Leiter und Öbersten von Armeen aller Feindseiten – nicht nur der unsrigen – sind aber sehr dankbar, daß es diesen »nützlichen« Kindesmißbrauch weiterhin gibt, weil sie auf diese Weise eine Menge Mühe weniger haben, sobald die erwachsen gewordene Kindergartenkleinsten beim Militär Befehle ohne den geringsten Widerspruch entgegennehmen müssen. So wie Abraham vom Lieben Gott. Und wenn später solch ein soldatgewordener Kindergartenkleinster probieren möchte, einen Befehl nicht auszuführen, wird ihm der Leiter der Armee pünktlich das Wehrstrafgesetz unter die Nase halten.

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Tag der letzten Bearbeitung: 08.01.07