Buch Militaerseelsorge
Die zweite Kreuzigung Jesu?
Hier: Leseproben

Militärseelsorge, Soldatenverdummung, Töten, Moral, Bibelkritik, Kirchenkritik, Religionskritik, Bundeswehr, Militär, Christentum, Bergpredigt, Soldatenmissbrauch

1973 - 2003
30 Jahre Verlag

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Leseprobe 5 (Text leicht gekürzt):
(Kapitel 4 und 5)

Kapitel 4

Und was sagt das Soldatengebetbuch nach 1945 zu christlichen Moralgrundsätzen? Haben die Kirchen aus ihren schwerwiegenden Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus gelernt?

Vorab-Untersuchungen

Heutzutage erinnert sich anscheinend kein Militärgeistlicher mehr an die ganz alten Zeiten bis 325 n. Chr., und dies wird erst dann geschehen, wenn moralisch unangreifbare, mutige Menschen in den sich christlich nennenden Kirchen zuerst nachdenklich und dann aktiv werden.

Leider haben wir nach 1945 unsere Chance, nachdenklich zu werden, verpaßt. Wenige Jahre nach 1945 dachten viele nicht mehr an den typischen 1945er Satz »Nie wieder« und suchten nach Schrittmachern, die in Vorbereitung eines neuen deutschen Militärs recht bald das so harmlos klingende »Amt Blank« errichteten.

Dann nahm ein neues Militär mit Namen »Bundeswehr« seine Tätigkeit auf. Alle dachten, ein Militär in einer Demokratie könne nicht unmoralisch sein. Jedoch etwas später geschahen in Vietnam die »demokratisch legitimierten« amerikanischen Kriegsverbrechen, und die Menschen wurden eines Besseren belehrt.

Zur Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die deutsche Bevölkerung häppchenweise moralisch darauf vorbereitet, daß ihre Streitkräfte demnächst indirekt sogar mit Atomwaffen hantieren sollten. Adenauer und seine Frauen/Mannen bestanden darauf. Die katholische Amtskirche beispielsweise unterstützte die »moralische Aufrüstung«, die eine unmoralische war. Die Unterstützung war hundertprozentig, und als Adenauer starb, bekam er im Kölner Dom in kirchlich-staatlicher Dankbarkeit selbstverständlich seine Aufbahrung mit soldatischer Ehrenwache links und rechts vom Sarg; einer Ehrenwache aus Soldaten im vollen Wichs mit stählerner Kopfbedeckung auf dem jeweils obersten Körperteil der Soldaten (Kopfbedeckung als Schutz gegen herabfallende Gewölbeteile des Domes?); ich sträube mich widerborstig, zu deren obersten Körperteil »Kopf« zu sagen, denn im Kopf findet ja normalerweise das Denken statt. Ich besitze sogar ein Pressefoto von damals und werde haarscharf erinnert an sämtliche Nazi-Ehrenwachen des Dritten Reichs, die ich damals selbst gesehen habe und die genauso martialisch rumstanden und in gleicher Weise ihre stählernen Pretiosen auf dem obersten Körperteil zur Schau stellten.

Die Vorbereitung auf den Atomkrieg geschah vor allem deswegen häppchenweise, weil dem Volk der Einstieg in die atomare Bewaffnung nur ganz vorsichtig untergeschoben werden durfte. Es funktionierte wie beim gewonnenen Mikadospiel: Die sich christlich nennenden Kirchen waren sehr behutsam, keiner hat was wackeln sehen, niemand was gemerkt.

Der erste sich einmischende Amtskirchenvertreter war Papst Pius XII, von mir persönlich als Scharfmacher angesehen. Er schrieb – noch zaghaft – vorbereitend am 23.12.1956 unter dem Titel »An die Völker der Welt«:

»Wenn also eine Volksvertretung und eine Regierung, mit freiem Wahlrecht erkoren, in äußerster Not und mit den rechtmäßigen Mitteln äußerer und innerer Politik Verteidigungsmaßnahmen treffen und die nach ihrem Urteil notwendigen Verfügungen ausführen, so verhalten sie sich gleichfalls in einer nicht unsittlichen Art, und folglich kann sich ein katholischer Bürger nicht auf das eigene Gewissen berufen, um sich zu verweigern, die Dienste zu leisten und die Pflichten zu erfüllen, die gesetzlich festgelegt sind.« 13 Und weil erst recht die eigenen katholisch-amtskirchlichen Priesterschaftstruppen diesem päpstlichen Vorbild treu nacheifern mußten, galt sogar für angehende katholische Ordensleute die vatikanische Regel: »Niemand soll in Zukunft zu den Ewigen Gelübden zugelassen werden, der nicht vorher seine Wehrpflicht erfüllt hat.« 14

Und bereits in Nr. 20/1958 der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln schrieben die »Sieben führenden katholischen Moraltheologen« folgenden kriminellen Rüstungsbereicherungs-Erguß zur vorgesehenen atomaren Bewaffnung des deutschen Militärs: »Auch in einem gerechtfertigten Verteidigungskampf ist nicht jedes Kampfmittel schlechthin erlaubt. Wenn das Kampfmittel sich der Kontrolle des Menschen völlig entzöge, müßte seine Anwendung als unsittlich verworfen werden. Daß die Wirkung der atomaren Kampfmittel sich dieser Kontrolle völlig entzieht, muß nach dem Urteil gewissenhafter Sachkenner als unzutreffend bezeichnet werden. Ihre Verwendung widerspricht darum nicht notwendig der sittlichen Ordnung und ist nicht in jedem Fall Sünde.«

Also, liebe Menschen, die ihr als prächtige (katholische) Soldaten vor einer Verwendung der A- und H-Bombe zurückzuckt, so ein paar Dutzend Wasserstoffbomben sind ja nicht aller Erdentage Abend. Bisher wurde immer recht geistlos behauptet, die gegenseitige Drohung mit Waffen habe bisher die Menschheitsauslöschung verhindert. Der Notfall des Bombenwerfens auf Zivilbevölkerungen sei kein Morden, sagen eure Bischöfe, sei erlaubtes Töten im Verlauf eines gerechten christlich erlaubten Vergeltungs-Krieges, ähnlich wie bei Bomber-Harris, bloß daß dieser noch als einfacher Stümper mit ganz bescheidenen Vernichtungsmöglichkeiten in die Menschheitsverbrechengeschichte einsortiert wird.

Was die hier erwähnte Kontrolle der A- und H-Bombenwirkung anbetrifft, vertrauen wir ruhig den Sachkennern und den »Sieben führenden katholischen Moraltheologen« und vor allem dem Papst (der ist ja nicht nur Spitzen-Sachkenner, sondern auch unfehlbar!) samt atomphysikalisch hervorragend geschulten Bischöfen und Kardinälen. Es wird nach einer sich nicht der Kontrolle entziehenden A- und H-Atombombenschlacht sicher nicht länger als hundert Millionen Jahre dauern, und es gibt auf der Erde nach den Spielregeln der Evolution wieder die ersten Affen-Vorstufen zu einer neuen Menschenrasse, so daß der geschäftige Liebe Gott irgendwo und -wann wieder ein Volk findet, das er sich als »Auserwähltes Volk« untern den Nagel reißen wird. Es wird ganz sicher alles von vorn anfangen (auch eine neue altbekannte göttliche Barbarei), so daß eine neue Menschheit an jenem Punkt putzmunter weitermachen kann, an dem die alte aufhört – sofern sich viele Menschen heutzutage nicht rechtzeitig genug als Querdenker einmischen und andere Denkwillige mitreißen.

Die Deutsche katholische Bischofskonferenz verzeihe mir, dem aufdringlichen Ketzer und penetranten Besserwisser, meinen Einwand: Seit Hiroshima und Nagasaki weiß jeder – ausgenommen die deutschen katholischen Bischöfe und ihre »Sieben führenden katholischen Moraltheologen« – bestens, daß sich die atomare Menschenmassenvernichtung jeder Kontrolle entzieht. Der Tagesschau ARD vom 06.08.94 (Hiroshima-Tag) habe ich entnommen, daß die Zahl der Menschen, die alleine im Zeitraum vom 07.08.93 bis zum 06.08.94 an den Spätfolgen des Atombombenabwurfs gestorben sind, 5110 beträgt. Wer waren bloß diese erwähnten gewissenhaften Sachkenner und Bischöfe der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz? Ich schweife ab: Entzog sich auch die Wirkung der Judenverfolgung zur Nazizeit völlig der Kontrolle durch die katholische Amtskirche? Oder teilweise? Oder überhaupt nicht? Als nach 1933 »Deutsche, kauft nicht bei Juden!« auf den Schaufensterscheiben stand, entzog sich das schon der Kontrolle durch die Deutsche Katholische Bischofskonferenz? Saßen damals in der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz gewissenhafte Sachkenner für Judenverfolgung? Oder gab es da nur Unbedarfte, wie in einer Laienspielschar? Gab es damals keine »Sieben führenden katholischen Moraltheologen für theoretische Versuche, die Verfolgung Andersgläubiger aufzuhalten«? Wenn nicht, gab es dann nicht wenigstens einen einzigen, der zu Recht »Katholischer Moraltheologe« genannt werden durfte?

Kardinal Frings vom Erzbistum Köln sattelte im Hirtenwort zur Landtagswahl von Nordrhein-Westfalen 1958 noch einen drauf: »Kein Katholik ist im Gewissen gehalten, auf Grund katholischer Lehre die Verteidigungsmaßnahmen abzulehnen, wie sie die Mehrheit der verantwortlichen Politiker in der derzeitigen Lage für notwendig gehalten hat.« Schlußendlich läßt die sich christlich nennende katholische Amtskirche offiziell in Nr. 40/1958, Seite 19, der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln unter der Überschrift »Recht auf atomare Verteidigung« ohne jedes Versteckspiel die Katze aus dem Sack: »Ein katholischer Bürger könne sich daher nicht auf sein Gewissen berufen, um den Wehrdienst (Anmerkung des Verf.: Hier war sogar der »Wehrdienst« mit Atomwaffen gemeint!) zu verweigern und um die vom Gesetz festgelegten Pflichten zu erfüllen.«

Völlig ungeniert kann sich die katholische Amtskirche daher endlich 1958 äußern: »Nicht die christlichen Politiker, sondern die unchristlichen, die antichristlichen Politiker aller Zeiten haben uns also die Atombomben beschert.« 15 Der Verfasser will uns also weismachen, daß die Atombombe eine rein bolschewistische Erfindung ist.

Nachdem die westliche Atombombe somit zur moralisch sauberen Massenvernichtungswaffe erklärt wurde und die östliche Atombombe zur moralisch verwerflichen Bubenstreichbombe, ernannte man P. John Laboon – wie am 05.07.1959 in der katholischen Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln berichtet wurde – zum ersten Militärseelsorger der »neuesten Pfarrei der USA«, der amerikanischen Atom-U-Bootflotte. Seitdem fuhr P. John Laboon auf Atom-U-Booten ständig mit. Sozusagen als hilfreicher Bauchredner mit innewohnender göttlicher Stimme für katholische Bedenkenträger und Zauderer am Auslöseknopf für Atomraketenstarts.

Und der damalige deutsche katholische Kardinal Wendel besorgte in der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, Nr. 27/1958, Seite 16 W, den katholisch ausgerichteten Lesern folgenden üblen Gedankenausfluß, ganz im Stil des alttestamentarischen »Lieben« Gottes: » ... Die Bundeswehr trete ein für die Verwirklichung der Ordnung Gottes. Deshalb sei der Soldatenstand ein Ehrenstand.« Gut, daß die Urchristen bis 325 n. Chr. dies nicht mehr mitansehen mußten. Diese Schande hätten sie nicht ertragen.

Alles wichtige, was der christliche Soldat braucht, steht im Soldatengebetbuch?

Als dann die neue Bundeswehr ihre Tätigkeit mit der Einberufung der ersten Wehrpflichtigen aufnahm, hatte beispielsweise die katholische Kirche ihr erstes Militärgebetbuch recht bald fertig. Altes nazibraunes Ungedankengut wurde nahtlos übernommen, es hatte sich nach Beendigung der Nazigreuel nichts geändert.

Dieses Militärgebetbuch mit dem Titel »Im heiligen Dienst«, ein »katholisches Gebet- und Gesangbuch für die deutsche Bundeswehr, 1. Auflage des katholischen Militärbischofamts, Bonn, 1957«, besitze ich. Eine Anrede auf der Eingangsseite, von Jos. Card. Wendel verfaßt, lautet (in Auszügen):

»Katholische Soldaten! Im Heiligen Dienst heißt das Gebet- und Gesangbuch, das dem katholischen Angehörigen der Deutschen Bundeswehr zur aktiven Teilnahme am gemeinsamen Gottesdienst, vor allem an der gemeinsamen Opferfeier, aber auch zum privaten Gebet und Gotteslob in die Hand gegeben wird. Schon der Name des Buchs weist auf die Erhabenheit des Dienstes hin, den wir Gott schulden (Anmerkung des Verf.: Seit wann schulden wir dem »Lieben« Gott irgend etwas?) und den wir Gott leisten wollen. ... Gott zu dienen muß darum auch dem Soldaten heilige Pflicht sein, die er gewissenhaft und ehrfürchtig erfüllt. ... Und was Ihr tut, tut alles im Namen Jesu, des Herrn! ... «

Ich meine, das ist ein phantastischer Vorspruch zur nazizeitlich-altgewohnten, absichtlichen und schlecht getarnten Volksverdummung, aus dem einiges hervorgeht:

1. Der Militärdienst wird hier als Heiliger Dienst hochstilisiert. Bis 325 n. Chr. war der Militärdienst den Christen strikt untersagt, also ein unheiliger Dienst. Wer hat nun recht, Jesus und die Christen von früher oder die sich Christen nennenden Kirchenmitglieder von heute? Der echte Jesus von früher oder der »Stellvertreter Christi auf Erden«, der Papst?

2. Die Rede ist vom Gotteslob. Das war in katholischen Kirchen schon immer so. Aber anläßlich der strafrechtlichen Würdigung des Lieben Gottes und seiner Untaten kann der Liebe Gott keinesfalls lobend erwähnt werden. Wer hat nun recht, die katholische Amtskirche mit ihrer Militärseelsorge oder das deutsche StGB?

3. Die Rede ist vom Dienst, den die Soldaten (angeblich) dem »Lieben« Gott schulden. Wer so spricht, hat nicht erkannt, daß es nicht ein Dienst ist, den die Soldaten Gott vorgeblich schulden; diese Tätigkeit ist kein Dienst, sondern eine bezahlte Söldnertätigkeit bzw. ein Zwang mit Namen Wehrpflicht. Aber auch der Begriff »Heilige Pflicht« ist für Katholikengebrauch unredlich, denn bis 325 n. Chr. gab es keine Militärpflicht, sondern an ihrer Stelle die Begriffe »Verbot des Militärdienstes«, »Gebot der Gewaltlosigkeit« und »Unchristlichkeit des Militärdienstes«.

4. Heilige Pflicht soll es sein, Gott zu dienen. Gewissenhaft und ehrfürchtig soll sich das abspulen. Nun, als der Liebe Gott seine – nach heutigem deutschem StGB strafbaren – Handlungen zelebrierte, verhielt sich dieser Liebe Gott nicht gewissenhaft und ehrfürchtig. Er verhielt sich in entscheidenden Situationen extrem gewissenlos und somit unmoralisch. Daher ist er auch kein Vorbild für einen christlichen Soldaten – es sei denn, der Soldat möchte einem brutalen Moloch so gewissenlos und unmoralisch wie möglich nacheifern. Na ja, dann geht’s.

Darüberhinaus finden sich im Soldatengebetbuch zur Ergänzung noch mancherlei hübsch häßliche Begriffe. Schon bei der Erschaffung der Bundeswehr in den fünfziger Jahren ging es gnadenlos frei von religiösem Fachwissen, das ein Anrecht darauf gehabt hätte, als wissenschaftlich fundiertes theologisches Fachwissen zu gelten, los. Das Soldatengebetbuch wirkte wie ein Tarnnetz, das über göttlich-biblische Rohheit, Rassismus, Gewaltdenken und Völkervernichtungsmentalität gelegt wurde.

Jesusferne Begriffe, beispielsweise »Streiter Gottes« und »Streiter Christi«, wurden im erwähnten katholischen Gebet- und Gesangbuch »Im Heiligen Dienst« für die Deutsche Bundeswehr, Seiten 126 und 160, gefunden. In diesem katholischen Gebet- und Gesangbuch für die Bundeswehr finden sich darüberhinaus im Text der ersten Umschlagseite folgende religionstaktischen Vernebelungsbegriffe:

»... Dienst für das Volk, Frucht meines Dienstes, straffe Ordnung, Hohe Schule, Zucht und Maß, dienen, sich bewähren, Gott rein und klar ins Auge schauen, Reinheit, Treue, Ehre, Würde, Verantwortung, sich eingliedern, selbstloser Kamerad, Gehorsam, Gottes Gesetze, Gewissen, Soldat Christi, Gottes Kämpfer, Streiter für Gottes Ehre, von Gott auferlegte Pflicht«, und vor allem diese beiden Sätze:

1. »Ich tue nichts Schlechtes, auch wenn anscheinend Gutes daraus folgt, oder wenn es unter dem Schein des Guten verlangt wird.«
(Anmerkung des Verf.: Das ist der schönste Persilschein, der je aus einer Druckmaschine kam. Die Ausstellung »Vernichtungskrieg ? Verbrechen der Wehrmacht«, wird sie in irgendeiner Zukunft eine logische Fortsetzung bekommen? Ich habe keine Zweifel!)

2. »Ich bin seit der Taufe Soldat Christi. Ich muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Ich streite für Gottes Ehre.«

Deshalb habe ich so meine Fragen:

Wie ist Gottes Ehre beschaffen? Nach meinen Untersuchungen (inhaltliche Übereinstimmung von Taten des Lieben Gottes mit Bezügen zu Strafbestimmungen des StGB) stellt sich die Frage, ob der Liebe Gott überhaupt noch Ehre besitzt. Dient er nur noch als abschreckendes Beispiel? Ist das der ganze Rest des Lieben Gottes übriggebliebener Existenzberechtigung?

Wer kann »Streiter Christi«, »Streiter Gottes«, »Soldat Christi«, »Gottes Kämpfer«, »von Gott auferlegte Pflicht« und »Streiter für Gottes Ehre« im Zusammenhang mit einem christ-katholischen militärischen Gebetbuch verstandesmäßig definieren? Ich möchte es ja auch kapieren!

Sind »Streiter Christi« und »Soldat Christi« Kunstbegriffe, die aller Realität entbehren und Ausdruck krankhaft-frömmlerischen Onanierens sind?

Sind nicht »Streiter Gottes«, »Gottes Kämpfer« und »Streiter für Gottes Ehre« furchtbare Begriffe? Darf jeder, der Barbarei, Rassismus und Religionsrassismus, Gewaltdenken und Völkervernichtung liebt, Streiter Gottes werden? Hat die Militärseelsorge damit was zu tun?

Wer »Gott rein und klar ins Auge schaut«, ist der ein Soldat, der mangels Scharfsichtigkeit an einer Brille zur Korrektur moralischer Fehlsichtigkeit nicht vorbeikommt?

Ist »Von Gott auferlegte Pflicht« auch eine Art Volksverdummung, zu der die Militärseelsorge fähig ist?

Ist für Gottes Kämpfer der »Heilige Krieg« reserviert oder – völlig profan – stehen Gottes Kämpfer für jeden ordinären Krieg zur Verfügung, an dem – völlig unverantwortlich und urheberrechtlich ungeschützt! – auch konfessionslose »gottlose Kämpfer« teilnehmen?

Sind andere Soldaten ohne christliche Konfession auch Gottes Kämpfer oder schlachten diese auf eigene religiöse Rechnung?

Wenn sich der Soldat als Gottes Kämpfer nach dem Grundsatz »Ich muß Gott mehr gehorchen als den Menschen« zur Schlacht schreitet, geht er dann jedesmal vor Schlachtbeginn zu seinem Militärpfarrer, um sich nach Gottes Gehorsamsverordnung zu erkundigen?

Wem gehorcht der Soldat, der als »Gottes Kämpfer« Gott mehr gehorcht als den Menschen, jetzt mehr, dem Militärpfarrer oder dem Sturmangriffsführer, wenn dieser was ganz anderes will als der Militärpfarrer? Wenn sich jedoch beide einig sind, der Soldat aber – weil er plötzlich eine moralische oder/und intellektuelle Erleuchtung hat – was anderes will als sie, wem gehorcht der Soldat dann überhaupt noch?

Darf ein Soldat Christi auf der einen Feindseite einem Soldaten Christi auf der anderen Feindseite im Schlachtkampf den Schädel einschlagen? Folgt er damit der von Gott auferlegten Pflicht?

Sollten nicht vorsichtshalber alle »Soldaten Christi« äußerlich gekennzeichnet werden, damit sie von anderen »Soldaten Christi« nach Möglichkeit verschont werden? Ein Kreuz in Gelb vorne auf der Kampfjacke (in Höhe der Heldenbrust) könnte z. B. aufgenäht werden.

Wenn aber des »Soldaten Christi« Feind ein Jude oder Moslem ist (welche den gleichen Gott anbeten wie die Christen) und der »Soldat Christi« in diesem Schlachten jenen anderen den soldatischen Schädel einschlägt, folgt er mit solcher Tat ebenfalls seiner »von Gott auferlegten Pflicht«?

Es heißt im erwähnten katholischen Soldatengebetbuch:»Ich bin seit der Taufe Soldat Christi.« Aus welchem Grund wird man nicht so ohne alles »Soldat Christi«, sondern muß – um dies zu werden – erst einmal getauft werden? Hat das was mit der reichskonkordatisch gesicherten Erhebung von Kirchensteuern (»Erst blechen, dann schlachten«) zu tun?

Kann auch – wegen der Gleichberechtigung nach dem Grundgesetz – ein Nichtgetaufter Soldat Christi werden?

Wem – dem Juden, Christen oder Moslem – hilft Gott im Schlachtkampf am ehesten? Dem, der kräftiger zuschlägt oder dem, der zuerst zuschlägt?

Was ist eigentlich ein militärisches Gebetbuch, wer hat es erfunden, und zu welcher Verwendung wird es benötigt? Etwa als dringend notwendige »Verbesserung« der in Wirklichkeit bekloppten Logien des real unchristlichen, becheuerten und senilen Jesus Christus, des trotteligen Dorfdeppen aus Nazareth, der besser das geblieben wäre, was er einst war: Bauhilfsarbeiter aus der Gosse?

Gibt es irgendwo noch Scheinheilige, Politiker, Tarner und Täuscher, die nicht nur katholische Soldatengebetbücher herausgeben, sondern vor allem immer wieder formulieren, daß man mit der Bergpredigt keine Politik machen könne? Ja, um alles in der Welt, kann man denn mit der Bergpredigt Krieg machen?«

Kapitel 5

Und zu guter Letzt: Christentum und Militärseelsorge aus den Kommödienstadl

Gelegentlich gibt ein Kirchenfürst einer sich christlich nennenden Kirche als »Militärseelsorger« noch in gegenwärtiger Zeit, die wir (unberechtigterweise) als »Zeit aufgeklärter Menschen« bezeichnen, Aussprüche zum Besten, die so unglaublich sind, daß sie zuerst Kopfschütteln auslösen und dann nur noch scharf gedengelte satirische Anmerkungen. So beispielsweise Kardinal Meisner, katholischer Ober-»Hirte« (Anmerkung des Verf.: Ein Hirte braucht Schafe, die ihm folgen. Davon hat Meisner noch genug) des Erzbistums Köln. Er sorgte 1996 leutselig für Diskussionen-Zündstoff, als er, wie WDR 1, Fernsehsendung Monitor, am 15.02.96 vermeldete, in einer seiner vielen treuherzigen Predigten anläßlich von Soldaten-Militärseelsorge-Messen im Kölner Dom verkündete, in betenden Händen (des Soldaten) sei die Waffe vor jedem Mißbrauch sicher.

Zitat von Klaus Bednarz aus dieser Sendung: »Einen besonders bemerkenswerten Satz hat ... der Kölner Kardinal Meisner getan. Den Satz zitiere ich wörtlich: „In betenden Händen ist die Waffe vor jedem Mißbrauch sicher." Ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muß.«

Dazu aus der gleichen Sendung in kurzen Ausschnitten Zitate von Margit Sprecher: »Die Soldaten horchten auf. So klare, eindeutige Worte hatte schon lange keiner mehr gefunden. ... Der hochgebildete Kirchenfürst wußte natürlich, wovon er sprach. Schließlich wimmelt die Geschichte von Beispielen betender Soldatenhände. Zu den berühmtesten gehören zweifellos die Kreuzritter, die Gottes Segen erflehten, bevor sie den Heiden, die ihnen im Wege standen, den Schädel einschlugen. Professionelle Beter gar, nämlich ein Heer von Geistlichen, nahmen die spanischen Konquistadoren mit, als sie vor vierhundert Jahren in Amerika die Urbevölkerung ausrotteten. Ihre Taten, vom Rösten der Indianer bis zum langsamen Ertränken, beschrieb ein Augenzeuge, der Priester Bartolome de Las Casas. Auch im Ersten Weltkrieg falteten die deutschen Soldaten auf den Befehl „Helm ab zum Gebet" die Hände, um gestärkt „für Gott und Vaterland" den Franzosen die Bajonette in den Leib zu rammen. ... „Einem Gott lobenden Soldaten", so der Kardinal wörtlich, „kann man guten Gewissens Verantwortung über Leben und Tod anderer übertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesichert sind." ... Ein Problem allerdings bleibt dann: Was tun, wenn die Gegenseite ebenfalls betet? Womöglich zum gleichen Gott? Wenn Priester beider Armeen, die Waffen segnen, wie jüngst wieder einmal im Krieg zwischen Serben und Kroaten? Auf wessen Seite steht dann Gott? Bei dem, der länger betet – oder bei dem, der früher schießt?«

Ein anderes Zitat zeigt auf, was Meisner bereits 1995 im Kölner Dom anläßlich einer Soldaten-Militärseelsorge-Messe vom Stapel gelassen hatte: 16 »In seiner Predigt beklagte der Kardinal, daß in der Gesellschaft die objektive Wahrheit, die Kenntnis von Gott, nicht mehr anerkannt werde und man sich auf das freie Gewissen als letzte Instanz berufe. „Hier liegt der tragische Irrtum des Menschen der Gegenwart, der sich in seinem Gewissen zum eigenen Normgeber machen will", sagte der Kardinal. „Gerade hier müßten Soldaten den anderen Bürgern Vordenker und Vorbild sein. Nur einem Soldaten mit einem ausgeprägten Gewissen, das sich an Gott selbst normiert, kann man ruhig eine Waffe in die Hand geben. Denn nur dort wird man sie nie mißbrauchen."«

Ich frage mich, weshalb in diesem Moment keiner von tausenden Soldaten im Kölner Dom empört aufgesprungen ist, um hinauszuschreien: »Der Mann ist ja gefährlich!«17 Meine Empörung ist derart groß, daß ich Meisners Hobby-Denkversuch mit jenen souveränen Gedanken eines Heinz Missalla (in Publik-Forum vom 04.08.89, Seite 5, veröffentlicht) vergleiche und zitiere:

» ... Und so waren denn auch in unserem Jahrhundert Millionen katholische Männer ihren Oberen gehorsam (Anmerkung des Verf.: Der gehorsame Mensch ist das Gegenstück desjenigen Menschen, der sein Gewissen und nur sein eigenes Gewissen unablässig überprüft; dieser Mensch, den Meisner nicht haben will, beruft sich in letzter Instanz nicht auf den so gewissenlosen »Lieben« Gott, sondern nur auf das eigene Gewissen!): Sie sind marschiert, haben gekämpft und ganze Länder verwüstet, haben getötet und sind selbst gestorben.

... Während Papst Benedikt XV. diesen Krieg (Anmerkung des Verf.: Den Ersten Weltkrieg) als „Gemetzel", als „Wahnsinn" und ein ins Unermeßliche wachsendes „Morden" bezeichnete, wurde den deutschen Katholiken noch Ende 1917 von ihren Bischöfen die Pflicht zu Treue und Gehorsam gegenüber dem Kaiser eingeschärft und unter Berufung auf den Apostel Paulus für den Fall des Ungehorsams das göttliche Gericht angedroht.

Was sagte Benedikt XV? »Krieg ist Gemetzel, Wahnsinn, Morden.« Was sagen die Militärseelsorger, die militärischen Sorger für die Seele der Soldaten heutzutage dazu?

Ein abschließendes Wort zum Thema Vergeben, Verzeihen und Verzichten

Die Prinzipien aller alttestamentarischen göttlichen Bestrafungsrichtlinien, die in dieser Untersuchung zu einem Vergleich mit dem StGB herangezogen wurden, lauten

a) »Vergeltungsmaßnahmen nach Straftaten durch gleiche oder artgleiche Handlungen«,

b) »Anwendung barbarischer Prinzipien« und

c) »Anwendung moralloser Prinzipien«.

Jesu Ansicht über Bestrafung bzw. Vergeltung war der Gegensatz zur angeordneten göttlichen Gesetzgebung nach Mose, nämlich Vergeben, Verzeihen und Verzichten auf Gegenmaßnahmen.
Das ist gerade das Sensationelle am Christentum, und wer dies nicht erkannt hat oder nicht erkennen will, wird das Christentum weiterhin falsch verstehen, falsch anwenden und gewissenlos mißbrauchen.
»Christliche Militärseelsorge« ist das Gegenteil des Christentums des Jesus von Nazareth.
Bedauerlicherweise wurden fossile Ansichten von gedankenschwachen, aber Nützlichkeitswerte liebenden Kirchenvertretern in unsere Köpfe implantiert. Die Nazizeit hat dies ganz besonders mit sich gebracht. Aus einem Leserbrief18 zitiere ich deshalb:

»Bei Hitlers Raub- und Angriffskriegen haben die deutschen Bischöfe die katholischen Soldaten stets ermahnt, in Gehorsam gegen den Führer, opferwillig, unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Pflicht zu tun. Vier Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion heißt es in einer Kanzelverkündigung der Bischöfe: „Es möge die trostvolle Gewißheit euch stärken, daß ihr damit nicht nur dem Vaterland dient, sondern zugleich dem heiligen Willen Gottes folgt."«

... Vor 50 Jahren befahl der „Führer" den Krieg, und wieder wurde gehorcht.

... In den Hirtenbriefen zahlreicher Diözesanbischöfe finden sich Aufrufe folgender Art:

„Erfüllt Eure Pflicht gegen Führer, Volk und Vaterland!"; „Gott sei mit allen, die die schwere Kriegsarbeit auf sich nehmen und verleihe ihnen Mut und Kraft, für das teure Vaterland zu kämpfen oder mutig zu sterben", oder auch: „Nachfolge Christi ist es, das eigene Leben einzusetzen zur Rettung unseres Volkes."

... Bischof von Galen schrieb: „Der Krieg, der 1919 durch einen erzwungenen Gewaltfrieden äußerlich beendet wurde, ist aufs neue ausgebrochen und hat unser Volk und Vaterland in seinen Bann gezogen. Wiederum sind unsere Männer und Jungmänner zum großen Teil zu den Waffen gerufen und stehen im blutigem Kampf oder mit ernster Entschlossenheit an den Grenzen auf der Wacht, um das Vaterland zu schirmen und unter Einsatz ihres Lebens einen Frieden der Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk zu erkämpfen ..."

Die Mahnung des deutschen Episkopats vom 26. Juni 1941 zu „opferwilligen Arbeiten und Kämpfen im Dienste unseres Volkes" erhielt ihr besonderes Gewicht durch den Hinweis, daß die Gläubigen „bei der Erfüllung der schweren Pflichten dieser Zeit ... dem heiligen Willen Gottes" folgten.
Die Bischöfe der Kölner und Paderborner Kirchenprovinz schärften 1942 den Gläubigen ein ... „Mit der ganzen Autorität unseres heiligen Amtes rufen wir auch heute euch wieder zu: Erfüllet in dieser Kriegszeit eure vaterländischen Pflichten aufs Treueste. Lasset euch von niemand übertreffen an Opferwilligkeit und Einsatzbereitschaft! Seid treu unserm Volke! Wo immer der Daseinskampf unseres Volkes euren Einsatz fordert, da steht!"

... Über mehrere Jahre haben sich die Bischöfe in einer schwerwiegenden Angelegenheit geirrt. Durch ihre Gehorsamsforderung sind sie auf eine tragische Weise zu Erfüllungsgehilfen des Staates und seiner Eroberungspolitik geworden (Anmerkung des Verf.: Auch zu Erfüllungsgehilfen seiner rassistischen Ideologien). Dieser bitteren Wahrheit müssen wir uns stellen.

Hitler konnte seine Kriege nur darum führen, weil es so viele Menschen gab, die (fast) allen Befehlen Folge leisteten. Auschwitz war möglich, weil die Vernichtungsmaschinerie dank der allzu vielen blindlings Gehorchenden reibungslos funktionierte.«

Bei dieser unchristlichen Geisteshaltung der sich christlich nennenden Amtskirchen war es nicht verwunderlich, daß eines der ersten Konzentrationslager (Kuhlen) von der evangelischen Diakonie verwaltet wurde (am 9. Februar 1988 dokumentierte der Fernsehjournalist Franz Alt in der Sendung »Report« die Aufgabe der Evangelischen Kirche 1933, als die Deutsche Evangelische Diakonenschaft das Konzentrationslager Kuhlen »im Namen der Diakonie« verwaltete).

Anspruch und Wirklichkeit des Christentums klaffen heutzutage immer noch weit auseinander. Nicht zuletzt dank fehlgeleiteter und fehlleitender Militärseelsorger.

Dies wollte ich nachweisen.


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Tag der letzten Bearbeitung: 08.01.07